Das haptische Gedächtnis

In einer Studie untersuchten Hutmacher & Kuhbandner (2018) das Langzeitgedächtnis in Bezug auf haptische Erfahrungen. Bisher war man davon ausgegangen, dass von den Sinneseindrücken, die permanent auf Menschen einströmen, eher wenig dauerhaft im Gehirn gespeichert werden. Dieses Faktum dürfte aber für haptische Erfahrungen nicht in gleichem Ausmaß zutreffen wie für optische oder akustische Wahrnehmungen. Mit verbundenen Augen mussten Probanden zahlreiche Alltagsgegenstände wie einen Stift oder eine Kaffeetasse für jeweils zehn Sekunden in der Hand halten. Danach erhielten sie die Hälfte der Gegenstände gleich im Anschluss noch einmal in die Hand und gleichzeitig ein zweites, sehr ähnliches Objekt derselben Kategorie, etwa eine bereits betastete Kaffeetasse und eine andere, die die Probanden bisher nicht berührt hatten. Die Studienteilnehmer erkannten dabei zu über neunzig Prozent die von ihnen die bereits betastete Tasse wieder. Auch beim gleichen Versuch mit der anderen Hälfte der Alltagsgegenstände, der eine Woche später durchgeführt wurde, lagen immer noch fünfundachtzig Prozent der Probanden beim Wiedererkennen über den Tastsinn richtig.

In einem weiteren Versuch ging es nicht um eine Merkaufgabe, sondern es war mit verbundenen Augen eine ästhetische Einschätzung des Gegenstandes abzugeben, indem die Probanden auf einer Skala von eins bis sieben angeben mussten, wie angenehm oder unangenehm sich die Objekte anfühlten. Eine Woche später wurden die Versuchspersonen gebeten, mit verbundenen Augen die bereits berührten Gegenstände zu benennen. Auch jetzt bekamen die Probanden die Hälfte der bereits betasteten und bisher unbekannte Gegenstände, wobei wieder an die achtzig Prozent die Gegenstände wiedererkannten.

In einer dritten Versuchsreihe legte man die zweite, bereits betastete Hälfte der Gegenstände vor den Probanden aus und daneben jeweils das entsprechende, bisher nicht berührte Gegenstück, wobei man darauf geachtet hatte, dass der haptische Unterschied gering war. Knapp über siebzig Prozent der Probanden lagen beim Wiedererkennen richtig. Diese Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass solche detaillierten, dauerhaften Langzeitgedächtnisspuren ein natürliches Produkt der haptischen Wahrnehmung sein dürften.

Literatur

Hutmacher, F. & Kuhbandner, C. (2018). Long-Term Memory for Haptically Explored Objects: Fidelity, Durability, Incidental Encoding, and Cross-Modal Transfer. Psychological Science, doi: 10.1177/0956797618803644.
https://www.n-tv.de/wissen/Beruehrtes-vergisst-man-nicht-article20757733.html (18-12-08)

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