Der Countdown zum Nachzipf beginnt

Fünfer wurden zu Schulschluss von Oberösterreichs Lehrern vergeben – 593 Kandidaten werden im Herbst noch einmal zur Matura antreten. Wer sich optimal für die Nachprüfung vorbereiten möchte, sollte bald mit dem Lernen beginnen.

Mathematik, Deutsch und Englisch: Das sind jene Fächer, in denen Oberösterreichs Schüler im vergangenen Schuljahr die meisten Fünfer kassiert haben. „Prinzipiell reichen vier Wochen Lernen für eine Nachprüfung – Vorbereitungen wie etwa die Stoffeinteilung können Schüler aber jetzt schon beginnen“, sagt Lernpsychologe Werner Stangl von der Linzer Kepler-Uni. Vier Wochen seien meist mehr, als man das ganze Jahr über für den Gegenstand aufgewendet habe. „Da sollten die Schüler ihre Defizite dann schon aufholen.“

Wichtig sei es, das Lernen systematisch anzugehen. „Ich rate dazu, täglich am Vormittag ein paar Lerneinheiten einzuplanen. Täglich sollte der Stoff des Vortages wiederholt werden – alle Lerninhalte sollten einmal pro Woche repetiert werden“, sagt Stangl. Das gilt bei einer Wiederholungsprüfung in einem Fach – bei zwei Gegenständen wird es schwieriger: „Ich empfehle, täglich für beide Gegenstände zu lernen. Wer einen Tag Mathe und den nächsten Tag Französisch lernt, ermüdet schneller.“

Im Schnitt investieren Österreichs Eltern heuer rund 5,2 Millionen Euro in Nachhilfe. Durschnittlich sind das 643 Euro pro Kind und Jahr pro Familie. Die Preise pro Stunde für Einzelunterricht bewegen sich in Oberösterreich zwischen 18 und 43 Euro. Der Unterricht in der Kleingruppe kostet zwischen 10,67 Euro und 19,17 Euro. Das hat die Arbeiterkammer Oberösterreich erhoben. Die Preise in der Kleingruppe haben sich im Durchschnitt von 2010 auf 2011 um 4,2 Prozent erhöht.

Wer mit dem Lernen beginnt, sollte sich erst auf die einfacheren Stoffgebiete stürzen. „Da bekommt der Schüler Erfolgserlebnisse und ist damit auch gleich motiviert“, sagt Lernpsychologe Stangl. Er rät außerdem, sich mit Schulkollegen kurzzuschließen, die im gleichen Fach hängen, um Lücken abzugleichen. Stangl beruhigt außerdem: „Lehrer werden niemanden durchfallen lassen, der sich gut vorbereitet hat.“

Lerntipps

  • Die richtige Zeiteinteilung: Lernt der Schüler alleine, sollte er sich die Zeit und den Stoff einteilen. Zwei Wochen vor der Prüfung sollte man mit den Stoff durch sein.
  • Genug Pausen machen: Nicht länger als 15 bis 20 Minuten am Stück lernen. Danach fünf bis zehn Minuten Pause machen, dann wieder lernen und pausieren. Nach dem dritten Block sollte die Pause eine halbe Stunde betragen.
  • Die Pausen bewusst gestalten:Nicht Computer spielen, fernsehen oder Freunde anrufen – das lenkt zu sehr ab. Gerade Facebook ist eine Verlockung, der jeder Lernende widerstehen sollte. Es gilt auch, sich bewusst zu erholen, Bewegung zu machen, an die frische Luft zu gehen und viel Wasser zu trinken.
  • Den Lerntyp des eigenen Kindes erkennen:Manche Kinder haben es lieber ruhig, andere hören im Hintergrund die Lieblingsmusik, das ist in Ordnung.
  • Lernerfolg belohnen: Es ist für Kinder wichtig, dass sie von den Eltern mit Kleinigkeiten belohnt werden.

Buchtipp

Neueste Studien belegen, dass die Eltern für den Lern- und Schulerfolg viel wichtiger sind als Lehrer. Eltern prägen entscheidend Motivation und Lernverhalten ihrer Kinder. Das Buch zeigt Eltern, welche Bedeutung ihre eigene Haltung zu Schule und Lernen für ihren Nachwuchs hat. Christoph Eichhorn: „Bei schlechten Noten helfen gute Eltern“, Klett-Cotta-Verlag, 2011, 178 Seiten, 15,40 Euro.

Quelle: OÖN vom Mittwoch, 10. August 2011, S. 27.



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