Engagierte Lehrer werden häufig von Kollegen gemobbt

Nirgendwo wird so häufig und heftig gemobbt wie im öffentlichen Dienst, in Kultureinrichtungen, Kliniken und Kirchen. Schwerste Depressionen oder Obsessionen sind meist die Folge – mit verschiedenen zusätzlichen psychischen und somatischen Beschwerden. Die Therapie der Opfer gestaltet sich immer problematisch und kann die Arbeitsunfähigkeit oft nicht mehr verhindern (Schwickerath 2008).
In Schulen ortet Schwickerath als Opfer bevorzugt engagierte LehrerInnen, „die bei den Schülern und Eltern Anerkennung erfahren und damit tatsächliche oder vermeintliche Defizite bei ihren Kollegen deutlich werden lassen.“ Die Reaktionen letztgenannter sind meist ebenso wirksam wie subtil: „Es schimmern bisweilen Neid und Missgunst durch die Lehrerzimmertür.“ Hinzu kommt „häufig eine fehlende selbstkritische Reflexion des schulischen Alltags.“
Regelmäßig behandelt Schwickerath in der psychosomatischen Klinik in Überherrn-Berus (Saarland) „kirchliche Mitarbeiter, am häufigsten Erzieherinnen in kirchlich geführten Kindergärten und Kindertagesstätten.
Hier ist vor allem die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit zu konstatieren. Unter dem Deckmantel der Nächstenliebe sollen nach außen hin keine Konflikte auftauchen; dennoch ist festzustellen, dass überforderte Kirchenleitungen, ein Gemisch von haupt-, neben- und ehrenamtlichen Mitarbeitern mit involviert sind. Unklare Zuständigkeiten, unprofessionelle Leitungen und teilweise undurchsichtige Strukturen tragen zur Aufrechterhaltung dieser Problematik bei.“

Literatur
Schwickerath, J. (2008). Stationäre Verhaltenstherapie chronischer interaktioneller Konflikte am Arbeitsplatz (Mobbing) – Konzeptionelle Aspekte und typische fallbezogene Problemstellungen- Praxis – Klinische Verhaltenstherapie und Rehabilitation, 79, 53-61.

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