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Gastvorträge zur Gouvernementalität

    Das Institut für Soziologie, das Institut für Frauen- und Geschlechterforschung und das Institut für Pädagogik und Psychologie laden zu drei Gastvorträgen im Wintersemester 2007/08 ein, die das Thema der Gouvernementalität unter verschiedenen Gesichtspunkten thematisieren.

    Agnieszka Dzierzbicka, Universität Wien: Gouvernementalität. Das Problem der „Regierung“.
    Dienstag, 27. November 2007 von 10.15-11.45 Uhr im Raum: BA 9911

    In Überwachen und Strafen (1975) untersuchte Michel Foucault noch, wie ein bestimmter Machttyp über die Erziehung und Persönlichkeitsbildung, organisiert in einschließenden Institutionen, auf den Einzelnen wirkt. In späteren Interviews gibt Foucault jedoch an, bereits mit dieser Arbeit den Versuch unternommen zu haben, nicht nur die Geburt einer bestimmten Ideologie (der Disziplinarsysteme) aufzuzeigen, sondern wie damit auch die Entstehung einer „Regierungsform liberalen Typs“ einhergeht. Damit verließ er die disziplinierende, regelnde und normierende Gesellschaft und begab sich auf die Spur der Gouvernementalität.
    Ebenso wie die Gouvernementalität ist auch das moderne Bildungswesen seit geraumer Zeit bemerkenswerten Veränderungen ausgesetzt: Die Entlassung in die Autonomie ist nur eine der Chiffren, die die Reformen der letzten Jahrzehnte in der Bildungsverwaltung greifbar machte, aber eben nicht nur dort.

    Thomas Höhne, Universität Gießen: Evaluation zwischen Steuern und Regieren. Eine governance- und gouvernementalitätstheoretische Perspektive auf Evaluation im Bildungsbereich.
    Dienstag, 11. Dezember 2007 von 10.15-11.45 Uhr im Raum: Rep.Raum D, Uni Center

    In Deutschland lässt sich vor allem auf kommunaler Ebene, aber auch auf nationaler und Bundesebene vermehrt ein Zusammenspiel von staatlichen und privaten Akteuren im Bildungsbereich beobachten. In Netzwerken, die unscheinbar und von der breiten Öffentlichkeit kaum wahrgenommen agieren, entstehen neue Kooperationsformen, die an einer grundlegenden Umgestaltung des Bildungsbereichs mitwirken. Für den Schulbereich soll der Prozess der Netzwerkbildung und die damit verbundenen Effekte am Beispiel von Evaluation einmal unter den beiden Analyseperspektiven von Governance und Gouvernementalität analysiert werden. Konkret handelt es sich um den mittlerweile weitreichenden Einfluss der Bertelsmannstiftung im Schulsektor und das von ihr entwickelte Instrument SEIS (Selbstevaluation in Schulen), das weite Verbreitung gefunden hat. Zwei Ziele werden mit dem Vortrag verfolgt: Zum einen geht es um einen (kürzeren) Vergleich der Ansätze Governance und Gouvernementalität. Zum anderen soll verdeutlicht werden, in welcher Weise sich mit Evaluation nicht nur ein neues Steuerungsinstrument durchgesetzt hat – wie zumeist in der Wissenschaft dargestellt -, sondern sich auch eine neue Form des Regierens etabliert hat.

    Birgit Sauer, Universität Wien: Governance, Gouvernementalität und Geschlecht.
    Dienstag, 15. Januar 2008 von 10:15-11:45 Uhr im Raum: Rep.Raum D, Uni Center

    Eine Kernfrage des geschlechterkritischen Assessments politischen Wandels im globalen Maßstab ist die, ob mit der Transformation von Staatlichkeit eine Chance auf gerechtere Geschlechterarrangements besteht. Ist post-nationale Staatlichkeit auf internationaler Ebene eine Form der demokratischen und geschlechtersensiblen „Zivilisierung“ androzentrischer (National-)Staatlichkeit?
    Ziel des Beitrags ist es, den Geschlechtertext der Neuformatierung von Diskursen und Praxen, von Politiken in so genanten Governance-Strukturen, aber auch in neuartigen Subjektivierungsweisen im Zuge der Etablierung eines neo-liberalen Staat-Gesellschafts-Verhältnisses herauszuarbeiten. Die These meiner Ausführungen ist, dass der neoliberale Staats- und Subjektivierungsdiskurs – gefasst unter den Begriffen „Governance“ und „Gouvernementalität“ – in eine herrschaftsförmige Restrukturierung des Politischen eingebunden ist. Neoliberalismus ist die „Transformation von Freiheit in Herrschaft“ (Segal 2006: 324) – auch von Geschlechterherrschaft, selbst wenn dieser Transformationsprozess ungleichzeitig, paradoxal und geschlechterwidersprüchlich verläuft.






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