Psychologie und Literatur

Nach Ansicht von Cornelius Hartz, Übersetzer und Autor von Romanen, Krimis und Sachbüchern, muss man sich, wenn man interessante und glaubwürdige literarische Figuren erschaffen will, zwangsläufig mit der Psyche seiner Charaktere auseinandersetzen. Nicht von ungefähr findet man in zahlreichen Biografien bekannter Autorinnen und Autoren einen Hinweis darauf, dass sie sich mehr oder weniger intensiv mit der Psychologie beschäftigt haben. Zwar hatte die berühmteste Autorin psychologischer Thriller, Patricia Highsmith, beruflich nichts mit der Psychologie zu tun, doch las sie bereits mit acht Jahren das Buch The Human Mind des Psychiaters Karl A. Menninger. Darin finden sich anschauliche Fallbeispiele von Kleptomanen, Pyromanen und Serienmördern, aus denen sie lernte, dass solche Menschen nach außen hin äußerlich völlig normal aussehen, und dass auch sie von solchen Menschen umgeben sein könnte. Hartz empfiehlt daher, ein Buch über reale Fälle aus der Psychiatrie zu lesen oder einen Thriller von Patricia Highsmith. Seiner Meinung nach sind es oft die psychologischen Grenzfälle, die besonders interessant sind und die es näher zu betrachten lohnt, auch und wenn man keine Krimis oder Thriller schreibt. So kann man sich davon lösen, seine Figuren ständig mit der eigenen psychischen Disposition aufzuladen, denn irgendwo sollte auch das autobiographische Schreiben seine Grenzen haben, denn es ist noch spannender, sich neue Menschen mit allem Drum und Dran auszudenken.

Persönliche Anmerkung: In Cornelius Hartzens Weblog (https://kapiteleinsblog.wordpress.com/) finden sich übrigens zahlreiche Tipps für all jene, die gerne Schriftstellerin oder Schriftsteller werden wollen, wobei der Titel „Kapitel eins – Wie werde ich Schriftsteller?“ in doppeltem Sinne treffend ist.

Quelle
https://kapiteleinsblog.wordpress.com/2016/04/22/figuren-psychologie/ (17-02-01)

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