Chatten aus der Sicht der Psychologie

Chatten ist eine der wichtigsten Formen der synchronen computervermittelten Kommunikation, wobei dei einer Chat-Kommunikation die Tastatureingaben unmittelbar am Gerät der Gegenseite erscheinen, so dass man sich zur selben Zeit am Interface befinden und sehr rasch reagieren muss. Im Vergleich zur zeitversetzten E-Mail-Kommunikation kommt dem Chatten eine hohe Bedeutung vor allem im privaten Bereich zu, wobei zum Chatten ein gemeinsamer Termin gefunden werden muss. Hinzu kommt der Chat-typische, sehr rasche und verknappte Kommunikationsverlauf, denn schnelles Lesen und Schreiben sind dafür notwendig, wobei Verzögerungspausen in diesem schriftlichen Dialog von manchen wenig toleriert werden. Die Unmittelbarkeit, Dynamik und Spontaneität des Chat-Austauschs wird auch dadurch erkauft, dass man sich oft auf relativ einfache Kommunikationsinhalte beschränken muss.

Chatten ist aus psychologischer Sicht eine um abstrakte Reize – also mit Wörtern und Semantiken – angereicherte Form des Selbstgesprächs, denn das Selbst projiziert sich in ein imaginiertes Gegenüber, das aber nicht wie das Selbst spricht. Das Selbst spaltet sich auf und vollzieht so noch einmal das, was die Informationstechnologie mit ihm schon zuvor machte, ihn in ein reales und virtuellen Selbst aufzuteilen. Das Selbst realisiert sich in den Chats somit als ein polymorphes Ich, das imstande ist, mit anderen Wirklichkeiten zu kommunizieren, wobei die Gegenüber eines Chatters eher Außenstellen seiner Ichfunktion darstellen.

Neben Einzelchats gibt es immer mehr Gruppenchats, in denen mehrere TeilnehmerInnen in einen Multilog eintreten, also eine Gruppe bilden. Im Gruppenchat tauschen sich mehrere Personen gleichzeitig aus, wobei um den Bezug zu einer bestimmten Nachricht herzustellen oder Personen direkt anzusprechen, man diese Personen im Chat markieren oder auf einzelne Nachrichten antworten muss. So wird etwa WhatsApp gerne für Gruppenchats genutzt.

Gruppenchats bilden in einem beruflichen Kontext in hohem Maß die interne Kommunikation ab, wobei mit der steigenden Verbreitung solcher Tools und dieser Form der digitalen Kommunikation unweigerlich auch Probleme zutage treten, sodass die Arbeitswelt noch kurzatmiger geworden ist.


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