Kleine Männer mit großer Macht

Silvio Berlusconi hat die Parlamentswahlen in Italien gewonnen und wird zum dritten Mal Regierungschef. Und das, obwohl oder vielleicht gerade weil er mit 1,64 Metern ein kleiner Mann ist. So wie viele seiner Amtskollegen übrigens auch.

Silvio Berlusconi, 1,64: Wenn es bei politischen Empfängen ans Gruppenfoto geht, platziert sich Silvio Berlusconi (71) vorzugsweise in der zweiten Reihe – möglichst auf einem Podest oder einer Stufe, um größer zu wirken.

Napoleon, 1,67: Weiteres Paradebeispiel für einen kleinen Mann mit großem Ego ist Napoleon Bonaparte. Wie groß der französische Feldherr wirklich war, ist umstritten. Neueste Untersuchungen gehen von 1,67 Metern aus, was in der damaligen Zeit eigentlich dem Durchschnitt entsprochen hätte. Sein Name steht für den populärwissenschaftlich gebrauchten Begriff „Napoleon-Komplex“, bei dem die geringe Körpergröße durch äußere Erfolge und Statussymbole kompensiert wird. Im Fall von Herrn Bonaparte führte dies dazu, dass er halb Europa eroberte und sich mit blutigen Schlachten in den Geschichtsbüchern dieser Welt verewigte.

Nicolas Sarkozy, 1,65: Auch sein Landsmann Nicolas Sarkozy (53) ist zumindest den Körpermaßen nach nicht der Größte. Der französische Staatspräsident gilt als eitel, ehrgeizig und machtbewusst und ist 1,65 Meter groß. Sowohl seine Ex-Frau Cécilia (50) als auch seine frisch angetraute Gattin Carla Bruni (40) überragen ihn um einen halben Kopf.

Letztere erklärte noch in einem Interview im Sommer 2007: „Sarkozy ist wie Napoleon: ein kleiner Mann mit Allüren.“ Mittlerweile hat das ehemalige Model ihre Meinung offenbar revidiert und scheint sich weder an den 13 Jahren Altersunterschied noch an den 13 Zentimetern Größenunterschied zu stören.

Dimitrij Medwedjew, 1,62: Auch an der Spitze Russlands steht nicht gerade ein großer Mann. Präsident Dimitrij Medwedjew (42) misst 1,62 Meter und wird deshalb als „Kinder-Überraschung im Kreml“ verspottet.

Wladimir Putin, 1,70: Außerdem lässt er damit Wladimir Putin (55) größer erscheinen, als er in Wirklichkeit ist. Denn mit 1,70 Metern gehört dieser auch nicht zu den Großen dieser Welt. Auch anderen russischen Granden mangelte es ein wenig an Körpergröße.

Lenin, 1,64; Stalin, 1,65: Wladimir Lenin maß 1,64 Meter, Josef Stalin brachte es immerhin einen Zentimeter weiter auf 1,65 Meter.

Kim Jong II, inoffiziell 1,60: Mit der größten Machtfülle in seinem Land ist der wahrscheinlich kleinste Staatsmann, der nordkoreanische Diktator Kim Jong Il (66), ausgestattet. Viel ist über den 1,60 Meter großen Mann mit den Plateauschuhen und der Fönfrisur nicht bekannt. Dass er in seinen 32 Palästen ausschweifende Partys feiert, hat sein ehemaliger Koch einmal dem Magazin „Stern“ verraten. Und dass er Lakaien durch das Land schicke, um junge Schönheiten als Gespielinnen aufzutreiben. Am besten unter 1,70, dann fühle er sich nicht so klein.

Streben nach Erfolg

„Dass kleine Männer ihr vermeintliches Manko mit Ehrgeiz und Erfolgsstreben kompensieren, ist sehr wahrscheinlich“, sagt Werner Stangl, Professor am Institut für Pädagogik und Psychologie an der Universität Linz. „Um nicht übersehen und besser akzeptiert zu werden, glauben viele, dass sie ,Großes’ leisten müssten.“ Das gelte natürlich nicht für alle kleinen Männer. Und wie die Politik zeigt, auch für Berlusconi, Sarkozy und Putin nicht immer …

Quelle: Valerie Hader in den Oberösterreischischen Nachrichten vom 16.04.2008; http://www.nachrichten.at/menschen/669954

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