Lernen mit Leuchtstiften ist aus psychologischer Sicht ein Unsinn

Von Anna Weidenholzer

Kaffeebecher, Bücherstapel und volle Bibliotheken deuten auf die Prüfungszeit hin. Immer mit dabei: Der Leuchtstift. Laut Lernexperte Werner Stangl ist dieser allerdings ein unnützes Hilfsmittel.

Eigentlich sollte mal wieder staubgesaugt werden. Oder das Bad geputzt werden. Ausflüchte vor dem Lernen gibt es mehr als genug. Rückt die Prüfung näher, wird die Zeit knapp. Eine Situation, die, wie allseits bekannt, möglichst vermieden werden sollte.
„Das Wichtigste ist die Zeiteinteilung. Rechtzeitig mit dem Lernen zu beginnen ist das Um und Auf“, sagt einer, der sich damit auskennt. Seit mehr als zehn Jahren beschäftigt sich Werner Stangl vom Institut für Pädagogik und Psychologie an der Kepler-Universität mit verschiedenen Lerntechniken.
Seinen Studierenden rät Stangl, sich eine Woche selbst zu beobachten, wie viel verfügbare Zeit tatsächlich vorhanden ist. Dann sollte über den Tag verteilt gelernt werden. „Ein Vier-Stunden-Block bringt wenig, sinnvoller ist es, die Zeit auf vier Einheiten aufzuteilen.“
Ein weiterer wichtiger Punkt ist nach Stangl die Stoffwiederholung. Nach 24 Stunden sollte das Gelernte zum ersten Mal, nach drei bis vier Tagen zum zweiten Mal wiederholt werden. „Ein Skript durch zu lernen und dann erst zu wiederholen, bringt überhaupt nichts.“
Wenig hält der Lernexperte auch von der gängigen Praxis des Texte-Markierens mit Leuchtstiften: „Das einzige, was man dabei lernt, ist beim Markieren einen geraden Strich zu ziehen.“ Psychologisch gesehen werden mit dem Markieren einzelne Textpassagen durchgestrichen. Stangl rät deshalb dazu, den Lernstoff zu exzerpieren. Mit Randmarkierungen und Anmerkungen werden die Lerninhalte bereits in eigenen Worten wiedergegeben und sind so bei einer Prüfung leichter abrufbar. Auch, beim Lernen Fragen an den Stoff zu stellen, hält der Universitätsprofessor für eine gute Lernmethode.

Seiten im Internet

Speziell für Studierende gibt es neben der Website www.lerntipp.at/studium auch die Lerntechnikseiten von Werner Stangl, wo ein bisschen mehr Theorie geboten wird: http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/lerntechnik. Beide Seiten sind kostenlos.
Quelle: OÖN 10. März 2009

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