Rezension: “Missbrauch mit den Missbrauchten” von Luna Born

Luna Borns Bericht als Missbrauchsopfer der römisch-katholischen Kirche beschreibt im Gegensatz zu Doris Wagners Geschichte nicht die lange Zeit des sexuellen Missbrauchs, sondern umfasst ihren Weg durch die Instanzen danach. Sie stützt sich dabei nicht auf intime und daher letztlich oft unüberprüfbare Details, sondern sie belegt im O-Ton in Form ihrer Korrespondenz mit den Vertretern der Kirche, wie sie als anerkanntes Opfer in zermürbender und krankmachender Art zwischen Zuständigkeiten und Nicht-Zuständigkeiten hin- und hergeschoben wird. Die zahlreichen AnsprechpartnerInnen ihres Bistums – diese werden nicht namentlich benannt, sondern treten als Nummern auf – bilden ein Spalier ihres Spießrutenlaufs durch die Instanzen, das Luna Born letztlich traumatisierter zurücklässt als es der Anlassfall allein zustande gebracht hätte. Sie muss hilflos erleben, dass von einzelnen “Würdenträgern” immer wieder versucht wird, den SchuldPfeil – wie sie es treffend nennt -, in der Umkehr der Realität gegen sie zu wenden. So bleibt die Rechtfertigung des [Pfarrer Täter] als zynisches Bild haften: “Wieso hattest du auch immer so eine süße, rote, kurze Hose an!”

Besonders eindringlich an Luna Borns Buch ist, dass sie bis zuletzt nicht resigniert hat, sondern die hierarchischen und autoritären Strukturen der Kirche und die daraus resultierenden Probleme in fundierter Weise bloßlegt, um anderen Opfern Mut zu machen, trotz der erlebten Ohnmacht gegenüber einer auf Macht gründenden Institution nicht aufzugeben.

Anrührend ist in diesem Buch nicht so sehr der Blick in die Gedankenwelt einer posttraumatischen Belastungsstörung, sondern vor allem der Versuch, durch das Schreiben dieses Buchs wieder Zugang zu ihrer Familie zu finden, die sie damals in ihrem Elend alleine gelassen hatte. Dass ihr das gelungen ist – sie bezeichnet es als KleinesWunder – mag sie einerseits trösten, andererseits sollte es nicht davon ablenken, dass der “Fall” Luna Born noch lange nicht abgeschlossen ist, denn die beschriebenen Geschehnisse enden zwar im Juli 2019, doch bis dahin ist der Täter noch immer nicht in angemessener Form zur Rechenschaft gezogen worden. Es bleibt zu hoffen, dass eine Neuauflage davon berichten kann.

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