Weg von der Tafel, hin zu den Schülern

Es ist eine Hauptforderung zahlreicher Bildungsexperten, dass der Unterricht in Österreichs Schulen stärker individualisiert werden müsse. Das heißt, Lehrer sollen Frontalunterricht möglichst vermeiden und stattdessen Unterrichtsformen anwenden, bei denen sich die Schüler den Stoff so weit als möglich selber erarbeiten. Gleichzeitig soll auf die Stärken und Schwächen der Kinder und Jugendlichen individuell eingegangen werden. Talente sollen im Klassenverband gefördert, Defizite schwacher Schüler ausgeräumt werden. Zweifellos eine große Herausforderung, vor die Lehrer damit gestellt werden.

„Aber es funktioniert, wenn man Ängste überwindet und sich für Veränderungen öffnet“, sagt Georg Neuhauser. Der 57-jährige Pädagoge für Biologie, Physik und Chemie aus Steyr macht sich seit Jahren für genau solchen Individualunterricht stark.

Begonnen hat alles 1996, „als wir an der Handelsschule Steyr große Probleme hatten“, sagt Neuhauser: schlechte Schülerleistungen, hohe Drop-out-Raten, frustrierte Schüler und Lehrer. Eine Gruppe Pädagogen, die Veränderung wollte, gründete die Initiative COOL (Cooperatives Offenes Lernen). Das Konzept dahinter: Die Lehrer einer Klasse schließen sich zusammen und leben so ihren Schülern Teamarbeit vor. Gleichzeitig wechseln die Pädagogen von der klassischen Lehrerrolle in die eines Coach, der die Jugendlichen beim Lernprozess begleitet, fördert und stärkt.

Die „coole“ Idee weitete sich langsam, aber kontinuierlich aus. Mittlerweile praktizieren rund 1500 Lehrer österreichweit diese Form des Unterrichtens. Herbert Altrichter, Vorstand des Instituts für Pädagogik und Psychologie an der Johannes Kepler Universität Linz, übernahm die wissenschaftliche Begleitung der Initiative: „Unsere Evaluierung hat klar die Vorteile dieser Art des Unterrichtens aufgezeigt. Schülerleistungen verbesserten sich, Fehlstunden gingen zurück, die Drop-out-Rate sank.“

Skeptische Kollegen

Auch wenn Neuhauser, Leiter des COOL-Impulszentrums Steyr, vom Individualunterricht überzeugt ist, weiß er doch, wie schwierig es ist, skeptische Kollegen dafür zu gewinnen. „Die Scheu vieler Lehrer vor der Individualisierung ist einer der größten Irrtümer“, sagt Neuhauser. Werde diese Scheu aber überwunden, öffne sich ein vielversprechender Weg.

Quelle: OÖN vom Mittwoch, 16. Februar 2011



Ein Gedanke zu “Weg von der Tafel, hin zu den Schülern

  1. Is there any way to tackle different kind of students at same time including sincere and disobedient too?

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