Wie man UserInnen der sozialen Netze abhängig macht

Soziale Netzwerke ermöglichen es einerseits, sich mit Menschen weltweit zu verknüpfen, sich auszutauschen, an Informationen zu gelangen, Ideen zu teilen und auf Missstände aufmerksam zu machen, d. h., sie sind längst  ein integraler Bestandteil der modernen Informationsgesellschaft geworden. Gleichzeitig leiden immer mehr Menschen an Depressionen und anderen psychischen Belastungen, wobei manche WissenschaftlerInnen einen Zusammenhang zwischen diesen psychischen Problemen und den sozialen Netzwerken sehen, die die Gefühle von Fear Of Missing Out, Einsamkeit und Schlafstörungen verstärken. Dass Menschen Stunden vor ihren Smartphones und Tablets zu verbringen, liegt auch an den ausgefeilten Algorithmen der Technologiefirmen, die mit dem Ziel entwickelt wurden, die Aufmerksamkeit zu maximieren. Viele UserInnen sind sich nicht im Klaren darüber, dass ganze Teams von Entwicklern daran arbeiten, Mechanismen der Psychologie gegen sie einzusetzen. Facebook, Google und Co. befinden sich im einer Art Wettstreit darum, wer die NutzerInnen am längsten dazu bringt, sich Inhalte und meist gleichzeitig auch Werbung für bestimmte Produkte anzuschauen.

Quelle

Faissal Sharif, Berliner Neuro-Wissenschaftler in der Berliner Zeitung vom 11. September 2020.