Dösen für die Weisheit

E l k e M u ß ma n n

Die Prüfung steht vor der Tür und Sie haben keine Zeit mehr zu verschenken? Dann sparen Sie trotzdem nicht an Pausen, denn die braucht das Gehirn, um Lernstoff sicher im Langzeitgedächtnis zu verankern

Lernen ist anstrengend, daran ist nicht zu rütteln. Aufmerksam sein, Zusammenhänge herstellen, Gelerntes durch Wiederholung wach halten – all das ist Schwerarbeit fürs Gehirn. Doch es gibt Möglichkeiten, sich die Arbeit wesentlich zu erleichtern: Regelmäßige Pausen und ausreichend Schlaf. Beides ist entscheidend für den langfristigen Lernerfolg, denn beim Entspannen und im Schlaf arbeitet das Gehirn selbstständig weiter und überträgt das Gelernte vom Kurzzeit- ins Langzeitgedächtnis. „Heute weiß man, dass die Phase, die auf einen Lernprozess folgt, für den dauerhaften Lernerfolg mindestens genauso wichtig ist, wie das Lernen selbst“, so der Experte für Lernpsychologie von der Universität Linz, Professor Werner Stangl. Moderne bildgebende Verfahren zeigen, dass im Schlaf noch einmal genau dieselben Hirnareale aktiviert werden, die schon zuvor beim Lernen aktiv waren. Bei diesem Prozess wird das Wissen jedoch nicht Eins zu Eins ins Großhirn übertragen, sondern die Inhalte werden verdichtet, neu kodiert und miteinander verbunden. Dies ist auch die Erklärung für den berühmten Aha-Effekt nach einer gut durchschlafenen Nacht: Plötzlich liegt die Lösung für die Aufgabe klar auf der Hand, an der man am Tag zuvor fast verzweifelt ist. Im Gegenzug erklärt dieses Wissen um die Arbeitsweise des Gehirns, warum Schlafmangel das Lernen extrem behindert. Wer nicht ausreichend schläft, muss Dinge viel öfter wiederholen und der Lernaufwand steht oft in keinem Verhältnis zum Ergebnis.

Organisiert entspannen

„Die Erkenntnis der Zeitverzögerung zwischen Wissenserwerb und Einspeicherung im Gehirn hat Konsequenzen für das Lernen, die heute noch kaum beachtet werden“, meint Prof. Stangl. Die wichtigsten sind: Ausreichend Schlaf und lieber viele, kurze Lerneinheiten mit Pausen dazwischen, als ein Lernmarathon am Wochenende. Wichtig ist auch, in den Pausen wirklich zu entspannen und keine neuen geistigen Inhalte aufzunehmen. Denn je ungestörter die unbewussten Speicherprozesse ablaufen, desto besser. Im Internet surfen, Computerspiele spielen oder Zeitung lesen sind keine geeigneten Aktivitäten für eine Lernpause. Besser ist ein Spaziergang an der frischen Luft oder die Anwendung einer Entspannungstechnik. Mit Hilfe von autogenem Training oder progressiver Muskelentspannung kann man sich mit ein wenig Übung schnell in einen tiefen Entspannungszustand versetzen. „Wer gut lernen will, sollte seine Tage strukturieren und möglichst zu festen Zeiten in Blöcken arbeiten “, so Prof. Stangl. Außerdem ist es wichtig, die Lebensbatterien immer wieder aufzuladen, zum Beispiel mit Hobbys, dem Engagement für persönliche Ziele und – ganz wichtig – sozialen Kontakten.
Über Nacht übt das Gehirn fleißig weiter, deshalb sind mindestens sechs Stunden Schlaf wichtig. Ein warmes Entspannungsbad tut vorher gut oder eine Tasse Kräutertee (Melisse, Baldrian, Hopfen). Auch ruhige, sanfte Musik hilft beim Einschlafen

Kleine Pausenkunde

Atempause (etwa 5 Minuten lang)
Ideal alle 15 Minuten: Atmen Sie tief durch, schließen Sie kurz die Augen. Recken und strecken Sie sich. Gucken Sie aus dem Fenster, beobachten Sie den Himmel, die Bäume – und vergessen Sie nicht zu trinken (Wasser ist ideal)
Mini-Erholungspause (etwa 15 Minuten lang)
Gönnen Sie Ihrem Körper nach ungefähr 60 Minuten (= ein Arbeitsblock) etwas Ruhe. Gehen Sie an die frische Luft, gießen Sie sich einen Tee auf, hören Sie Musik, naschen Sie Obst – oder tun Sie sonst etwas, das Sie entspannt
Maxi- Erholungspause (etwa 60 Minuten lang)
Nach drei bis vier Stunden ist Zeit für einen gesunden Snack mit leichten Nudeln und einem Salat. Sie können auch kleine Einkäufe erledigen, etwas Sport treiben oder abschalten, indem Sie zu Ihrer Lieblingsmusik tanzen

Büffeln mit Köpfchen!

Sechs goldende Regeln für kluges Lernen von Werner Stangl, Prof. für Psychologie und Pädagogik an der Uni Linz

  1. Arbeiten Sie in Blöcken, die nicht länger als 60 Minuten dauern. Ein idealer Block besteht aus drei Einheiten à 15 Minuten (mit kurzen Pausen dazwischen)
  2. Machen Sie nach jedem Arbeitsblock eine längere Pause, für die Sie den Arbeitsplatz verlassen
  3. Fassen Sie ähnliche Themen/Tätigkeiten in Blöcken zusammenfassen. Bearbeiten Sie von Block zu Block möglichst unterschiedliche Dinge
  4. Fünf Arbeitsblöcke pro Tag sind genug, danach steht der Aufwand in keinem Verhältnis zum Ergebnis
  5. Legen Sie schwierige und kraftraubende Tätigkeiten in Ihre individuellen Hochphasen am Vor- und Nachmittag
  6. Lernen Sie an den letzten zwei Tagen vor einer Prüfung nichts Neues mehr, wiederholen Sie nur noch

Quelle: DAK-Magazin start! 4 _ 2009, S. 18-20.

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