Handystrahlung?

Angeblich hat ein Forscherteam der Universität Basel nun herausgefunden, dass Handystrahlung bei Jugendlichen tatsächlich einen Einfluss auf das Gehirn hat. Ein Forschungsteam von Martin Röösli hat untersucht, wie sich die Häufigkeit des Telefonierens am Handy auf die Konzentrationsleistung und die Merkfähigkeit von Jugendlichen auswirkt. Im Interview mit Martin Röösli, Epidemiologe und Assistenz-Professor an der Universität von Basel, außerdem Leiter des Bereichs Umwelt und Gesundheit am Tropen- und Public-Health-Institut in Basel, berichtet dieser über einen statistischen Zusammenhang zwischen Strahlendosis und Merkfähigkeit und bezeichnet es als Hinweis, dass Handystrahlung einen Einfluss auf das Hirn haben könnte. Dazu mussten sich die rund 440 Versuchsteilnehmer während eines Tests Figuren und Wörter merken. Dieses Experiment wurde anschliessend mit einem zeitlichen Abstand von einem Jahr zwei Mal durchgeführt. Für diesen Zeitraum erhoben die Forscher die gesamte Strahlenbelastung. Dabei konnten sie auf die Daten der Telefonanbieter zurückgreifen: Jugendliche mit einer hohen Strahlendosis schnitten bei der Merkfähigkeit schlechter ab als solche mit einer niedrigen Dosis. Das Wortgedächtnis und die Konzentrationsleistung waren hingegen nicht beeinträchtigt. Noch kurioser wird es dann, wenn zur Erklärung dieses Unterschieds ein Zusammenhang mit den Gehirnhälften hergestellt wird, denn die meisten Handynutzer seien Rechtshänder und hielten also das Handy beim Telefonieren an das rechte Ohr. Die rechte Hirnhälfte sei also beim Telefonieren einer höheren Intensität ausgesetzt.

Es wäre interessant zu wissen, wie der Zusammenhang mit Strahlung festgestellt wurde, denn wenn tatsächlich nur die Dauer der Handynutzung als Kriterium verwendet wurde, dann läge eine andere Erklärung viel näher: dass nämlich einfach die Dauer der Handynutzung dieses kognitive Defizit verursacht.


In einer neuen Studie, die abermals den Zusammenhang zwischen hochfrequenten elektromagnetischen Feldern und der Gesundheit erforschen sollte, haben Schweizer und belgische Wissenschaftler nun siebenhundert Schülerinnen und Schüler aus ländlichen und städtischen Gebieten der deutschen Schweiz im Alter von 12 bis 17 Jahren ein Jahr lang beobachtet. Dabei zeigte sich, dass die kumulative Exposition auf das Gehirn der Jugendlichen über ein Jahr hinweg einen äußerst geringen negativen Einfluss auf die Entwicklung ihrer figuralen Gedächtnisleistung hatte. Das figurale Gedächtnis ist hauptsächlich in der rechten Gehirnhälfte angesiedelt, wobei der Einfluss der Strahlung tatsächlich bei jenen Jugendlichen ausgeprägter war, die ihr Mobiltelefon auch auf der rechten Seite des Kopfes benutzten. Dies deutet darauf hin, dass vom Gehirn absorbierte elektromagnetische Strahlung für die beobachteten Zusammenhänge verantwortlich sein könnte, wobei der Effekt nicht sehr gross war, nämlich nur zu einer Reduktion von 0,2 auf einer Skala von 0 bis 13 führte. Die Experten empfehlen daher die Verwendung einer Freisprecheinrichtung, denn bereits im Abstand von zehn Zentimetern verringert sich die Strahlung um den Faktor zehn. Auch spielt die Verbindungsqualität eine Rolle, denn je besser diese ist, umso weniger muss das Gerät strahlen. Bei optimaler Verbindung strahlt ein Mobiltelefon bis zu 100000 Mal weniger als bei sehr schlechter Verbindung.


Übrigens: Dieses äußerst „dünne“ Ergebnis lieferte folgende Schlagzeilen in der mehr oder minder in Empirie kaum bewanderten Presse:

  • Also doch: Handystrahlen beeinträchtigen Entwicklung des Gehirns
  • Das Handy am Ohr schadet der Gedächtnisleistung von Jugendlichen
  • Beeinträchtigte Gedächtnisleistung: Negative Auswirkungen durch Handystrahlen belegt
  • Ist Handystrahlung doch gefährlich? Forscher entdecken negativen Einfluss Einfluss von Smartphones auf das Gedächtnis
  • Smartphone-Studie – Wer rechts telefoniert, verringert die eigene Gedächtnisleistung?
  • Ist Mobilfunkstrahlung Gift für das Gedächtnis?
  • Handys stören das Gedächtnis
  • Handystrahlung kann sich negativ auf Gedächtnis auswirken
  • Handystrahlen beeinflussen das Gedächtnis – Schweizer Studie
  • Neue Studie: Handystrahlung kann dem Gedächtnis schaden
  • Gedächtnis: Studie legt negativen Einfluss von Mobiltelefonie nahe
  • Löschen Smartphones das Gedächtnis?
  • Lieber das rechte als das linke Ohr- Neue Studie zeigt: Handystrahlung kann dem Gedächtnis schaden
  • Handy in Kopfnähe birgt Risiken

Quellen

http://www.beobachter.ch/konsum/multimedia/artikel/handystrahlung_die-merkfaehigkeit-wird-offenbar-beeinflusst/ (16-04-01)
http://www.vaterland.li/region/schweiz/mobilfunkstrahlung-schadet-dem-gedaechtnis;art103,339728 (18-07-19)
… und diverse Tages und Wochenzeitungen!