„Vergleiche“ und „siehe“ – Fehler bei der Zitation

„Vgl.“ ist im Grunde genommen bei einem indirekten Zitat falsch, denn man vergleicht damit ja nicht, sondern beruft sich auf eine andere Quelle. Richtig wäre daher „s.“ oder „siehe“.

Leider wird das in den meisten Fällen falsch gemacht. „Vgl.“ ist nur dann richtig, wenn man einen eigenen Gedanken formuliert und dann andere Quellen nennt, in denen Ähnliches zu finden ist.

Auch Theisen (2013 stellt fest, dass das „vgl.“ in den allermeisten Fällen unzutreffend gebraucht wird, denn es bedarf nur dann eines Vergleiches, sofern die zitierte Autorin bzw. der zitierte Autor inhaltlich etwas anderes aussagt. Dieser (inhaltlich) andere Gedanke soll in diesem Fall nämlich nur vergleichend für die eigene Argumentation herangezogen werden, denn wenn derselbe bzw. der gleiche Gedanke – etwa in anderen Worten – lediglich sinngemäß wiedergegeben werden soll, ist eine Vgl.-Fußnote wissenschaftlich unzutreffend. Vielmehr muss diese Fußnote dann mit einem „Siehe“ begonnen werden. Sofern dieselbe bzw. die gleiche fremde gedankliche Argumentation – mit eignen Worten – wiedergegeben und nicht mit einem „siehe“, sondern „vgl.“ gekennzeichnet wird, liegt der Verdacht eines Plagiats (Ideenplagiat) nahe, denn es wird suggeriert, die zitierte Autorin bzw. der zitierte Autor habe lediglich etwas anderes, vergleichbares in eigenen Worten formuliert. Dies ist jedoch dann nicht zutreffend. Sofern vertreten wird, eine ohne „siehe“ oder „vgl.“ eingeleitete Fußnote belege schon ein indirektes Zitat, dann ist eine mit „vgl.“ eingeleitete Fußnote umso mehr irreführender, da sie in den überwiegenden Fällen eben nicht auf einen unterschiedlichen Gedanken verweist. Mitunter wird der Fremdtext nicht einmal in eigenen – anderen – Worten umformuliert, sondern Satzteile oder Wortfetzen werden einfach umgestellt, sodass es sich eher um ein Plagiat handelt.

Literatur

Theisen, Manuel René  (2013). Wissenschaftliches Arbeiten. Erfolgreich bei Bachelor- und Masterarbeit. München: Vahlen.