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Menschliche Verzerrungen bei der rückblickenden Einschätzung von Befindlichkeiten und Symptomen

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    Die rückblickende Beurteilung des eigenen Verhaltens, emotionalen Erlebens sowie psychischer Symptome unterliegt systematischen Verzerrungen, da Individuen rückwirkend dazu neigen, die Stärke von Zusammenhängen zwischen verschiedenen Einflussfaktoren deutlich zu überschätzen. Während in der klinischen Praxis und Diagnostik traditionell stark auf retrospektive Selbstbereichte via Befragungen gesetzt wird, zeigt sich bei einem direkten Vergleich mit mehrmals täglich in Echtzeit erfassten Längsschnittdaten eine erhebliche Diskrepanz zwischen der tatsächlichen alltäglichen Dynamik und der rückwirkenden Wahrnehmung. Beispielsweise werden Zusammenhänge wie der Einfluss von Schlafqualität oder Stress auf die Stimmungslage retrospektiv viel intensiver wahrgenommen, als sie sich in momentanen Erhebungen real manifestieren. Diese Diskrepanz ist bei Personen mit depressiven Symptomen besonders stark ausgeprägt. Der Grund für diese Fehleinschätzungen liegt darin, dass beim Erinnern nicht auf spezifische Einzelmomente zugegriffen wird, sondern intuitive Überzeugungen und implizite Kausalannahmen die Rekonstruktion steuern. Um solche kognitiven Verzerrungen zu reduzieren und klinische Interventionen genauer abzustimmen, empfiehlt sich die kombinierte Nutzung von kontinuierlichen Echtzeiterfassungen im Alltag und retrospektiven Einschätzungen.

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