Kognitive Leistungseinbußen wie Vergesslichkeit, Konzentrationsstörungen, verlangsamtes Denken und eine allgemeine geistige Abgeschlagenheit treten bei Frauen in den Wechseljahren häufig auf und gehen oft weit über typische physische Beschwerden wie Hitzewallungen hinaus. Neurowissenschaftliche Ansätze weisen darauf hin, dass die Abnahme des Östrogenspiegels im Gehirn direkte Auswirkungen auf Regionen haben kann, die für Gedächtnisleistung und Lernprozesse verantwortlich sind. Vor allem das spezifische Östrogen Estriol, das im Vergleich zu klassischem Estradiol bevorzugt an andere Rezeptoren im Gehirn bindet, steht im Fokus der aktuellen Forschung. Tierversuche zeigten bereits, dass diese Substanz schützend auf Nervenzellen wirken und das räumliche sowie das Arbeitsgedächtnis positiv beeinflussen kann.
Eine Beobachtungsstudie untersuchte über einen Zeitraum von zwölf Monaten die Wirkung einer individuell angepassten Kombination aus Estriol und Progesteron bei betroffenen Frauen. Nach Ablauf des Behandlungszeitraums berichteten die Probandinnen über spürbare Verbesserungen hinsichtlich ihrer Verarbeitungsgeschwindigkeit, des verbalen Gedächtnisses sowie der Problemlösungskompetenz. Dennoch sind diese Beobachtungen vorsichtig zu bewerten: Aufgrund der geringen Teilnehmerzahl von nur 20 Personen, des Fehlens einer Kontrollgruppe mit Placebo sowie einer fehlenden Zufallszuteilung lassen sich keine eindeutigen Wirkungsnachweise erbringen.
Ein beobachteter Effekt könnte daher auch durch Erwartungshaltungen der Patientinnen begünstigt worden sein. Zudem stützten sich die Ergebnisse rein auf subjektive Angaben ohne ergänzende bildgebende Verfahren oder objektive Leistungstests. Um zu klären, ob Hormontherapien tatsächlich eine gezielte Option gegen kognitive Symptome der Menopause bieten können, sind nun umfangreichere, kontrollierte Untersuchungen mit objektiven Messverfahren erforderlich. Gleichzeitig bleibt zu berücksichtigen, dass geistige Ermüdungserscheinungen nicht ausschließlich hormonell bedingt sind, sondern auch durch Faktoren wie Schlafmangel, chronischen Stress oder körperliche Erkrankungen ausgelöst werden können.