Das Gehirn beschützt den Schlaf

Schlaf führt zu einer Abkopplung des Menschen von der Außenwelt, d. h., auch wenn diese während des REM-Schlafs wieder zu Bewusstsein kommen, werden, wenn überhaupt, nur wenige Informationen von außen in den Trauminhalt aufgenommen. Koroma et al. (2020) haben den Mechanismus untersucht, mit dem das Gehirn Träume vor äußeren Einflüssen beschützt. Dabei gibt es zwei Möglichkeiten: entweder baut das träumende Gehirn die Informationen der realen Welt in die Traumwelten ein oder es filtert diese gezielt heraus, um zu verhindern, dass ein Mensch durch störende Geräusche oder andere Faktoren aus dem Traum gerissen wird. Träume finden bekanntlich vorwiegend während des REM-Schlafs statt, wobei besonders der Schlaf in den Morgenstunden reich an diesen Schlafphasen ist. Während dieser Phase zeigt das Gehirn eine ähnliche Aktivität wie im Wachzustand. In einem Schlaflabor wurden Schlafenden Geschichten vorgespielt, während sie schliefen, wobei diese Erzählungen zum Teil in einer verständlichen und zum Teil in einer unverständlichen Sprache aufgenommen worden waren. Die Gehirnaktivität der Probanden wurde dabei aufgezeichnet. Es zeigte sich, dass das Gehirn während des leichten Schlafs wie im Wachzustand sinnvoller Sprache den Vorrang einräumt. Durch die Rekonstruktion der Sprache aus den elektrophysiologischen Reaktionen war deutlich, dass informatives Sprechen während des REM-Schlafs gegenüber bedeutungslosem Sprechen verstärkt wird. Doch zum genauen Zeitpunkt der Augenbewegungen wird informative Sprache im Gegenteil selektiv unterdrückt. Diese Ergebnisse demonstrieren die flexible Verstärkung und Unterdrückung von sensorischen Informationen während des REM-Schlafs und zeigen den Einfluss von Augenbewegungen auf die selektive Aussteuerung von informativen Stimuli während des Schlafs. Das schlafende Gehirn nimmt also die Geräusche der Außenwelt wahr, bewertet diese und verstärkt oder unterdrückt sie, je nach Situation, sodass das Gehirn durch diesen Mechanismus in der Lage ist, die Traumphase zu schützen.

Literatur

Koroma, M., Lacaux, C., Andrillon, T., Legendre, G., Leger, D. & Kouider, S. (2020). Sleepers Selectively Suppress Informative Inputs during Rapid Eye Movements. Current Biology, doi:10.1016/j.cub.2020.04.047.



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