Das Mutter-Kind-Spiel und die hormonelle Begleitung




Markova (2018) untersuchte frühe soziale Spielroutinen während natürlicher Face-to-Face-Interaktionen zwischen Mutter und Kind und deren Beziehung zu Oxytocin, wobei dreiundvierzig Mutter-Kind-Dyaden beobachtet wurden, als die Säuglinge 4 Monate alt waren, wobei sie so interagieren sollten, wie sie es zu Hause tun würden. Soziale Routinespiele wie “Hoppe, hoppe Reiter” oder “Das ist der Daumen, der schüttelt die Pflaumen” sind ein fester und wichtiger Bestandteil von frühen Mutter-Kind-Interaktionen, und werden von Müttern zur Aufmerksamkeitslenkung bzw. als Emotionsregulationsstrategie bewusst eingesetzt. Während diese Interaktionen sammelte man mehrere Speichelproben von Babys und Müttern, um das Hormon Oxytocin zu messen, das eine wichtige Rolle in frühen Mutter-Kind-Interaktionen spielt. Mütter begannen soziale Spielroutinen hauptsächlich in Situationen, wenn ihre Kinder abgelenkt von der Interaktion mit ihnen oder auch frustriert waren, während in der restlichen Interaktionszeit Babys mehr positiven Affekt während des Spielens zeigten, wobei aber Spiele die Grundstimmung des Kindes aber nicht verändern konnten. Während es bei Müttern, die viel mit ihren Kindern spielten, zu mehr Oxytocin-Ausschüttung nach diesen Interaktionen kam, konnte bei Säuglingen, unabhängig von ihrem Geschlecht, interessanterweise nach besonders spielreichen Interaktionen weniger Oxytocin im Speichel nachgewiesen werden. Dies deutent auf eine regulierende Wirkung von frühen sozialen Spielroutinen hin, die sich sowohl auf der Verhaltensebene als auch der physiologischen Ebene beobachten lässt. Frühe soziale Spielroutinen können daher die Entwicklung komplexer sozialer Kompetenzen bei Babys unterstützen, indem sie es Säuglingen ermöglichen, an frühen Interaktionen mit anderen aktiv teilzunehmen und somit ihr soziales Verhaltensrepertoire zu erweitern.

Literatur

Markova, G. (2018). The games infants play: Social games during early mother-infant interactions and their relationship with oxytocin. Frontiers in Psychology, doi:10.3389/fpsyg.2018.01041
https://medienportal.univie.ac.at/presse/aktuelle-pressemeldungen/ detailansicht/artikel/ ueber-plumpsende-reiter-geschuettelte-pflaumen-und-zappelnde-zappelmaenner/ (20-12-31)