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Der abwärts gerichtete Vergleich

In der Psychologie gibt es den abwärts gerichteten Vergleich, was nichts anderes bedeutet, dass Menschen ihr subjektives Wohlbefinden steigern können, indem sie sich mit Menschen vergleichen, denen es schlechter als ihnen geht, also etwa eine schwerere Krankheit haben als man selbst. Schon im Kindergartenalter spielen solche Vergleiche eine Rolle, denn viele dieser Prozesse laufen vorbewusst ab, denn nur die wenigsten Menschen würden offen sagen, sich über das Leid anderer Menschen zu freuen. Es zeigt sich jedoch, dass Menschen, wenn sie die Chance haben, ihr Selbstwertgefühl durch einen Vergleich zu erhöhen, sie dazu neigen, diese Chance auch zu ergreifen.

Die neuen Medien wie Facebook, Twitter oder Instagram erleichtern es Menschen enorm, andere zu finden, mit denen man sich nach unten vergleichen kann. In den neuen Medien bilden sich auf Grund solcher Vergleiche auch häufig Gruppen, die sich die eigenen gefühlten Ansichten ständig bestätigen, wobei diese Bestätigung zur Selbstüberschätzung verleitet. Hinzu kommt der Erklärungseffek, denn wenn diese Menschen ein bestimmtes Argument zehnmal hören, dann sind sie nicht mehr in der Lage, es als irrelevant zu empfinden, selbst wenn sie ganz anderer Meinung sind, beschäftigen sie sich damit oder übernehmen die Standpunkte zumindest zum Teil.

Übrigens: Man hat in Untersuchungen festgestellt, dass auch Yoga zur Selbstüberschätzung führen kann. Yoga löst zwar immer zuerst einmal Glücksgefühle aus, wobei die Yoga-Philosophie annimmt, dass Yoga zu einem realistischeren Selbstbild führt, das schließlich diese Gefühle erzeugen soll. Diese Studie hat jedoch entdeckt, dass das, was die Glücksgefühle erzeugt, die Selbstüberschätzung ist. Generell löst ein realistisches Selbstbild nämlich keine Glücksgefühle aus, während das ein übersteigert positives Selbstbild hingegen schon tut. Man kennt dieses Phänomen seit Jahrzehnten in anderen Bereichen, wie etwa dem Autofahren. Auch Menschen, die sich für die hilfsbereiteste Person der Welt halten oder glauben, der Welt Gerechtigkeit zu bringen, basieren auf Narzissmus, der durch Yoga etwas zuzunehmen scheint. Zwar hat die Selbstüberschätzung im Buddhismus und auch in der christlich geprägten Welt ein eher schlechtes Image, doch die Forschung zeigte auch, dass sich eine leichte Selbstüberschätzung positiv auf das Wohlbefinden auswirkt. Das gilt übrigens auch für Meditierende, denn bei vielen Meditationen geht es um liebende Güte, wobei auch hier der Effekt ist, dass der meditierende Mensch meint, besonders gütig zu sein, gütiger als andere Menschen.

Literatur

https://www.stern.de/panorama/gesellschaft/ psychologe–warum-donald-trump-erfolgreich-ist-und-viele-frieden-langweilig-find en-8480176.html (19-12-20)
https://www.spiegel.de/psychologie/yoga-erzeugt-gluecksgefuehle-aber-anders-als-gedacht-a-d6b4333b-d6bc-4bee-bf6b-97e4e0c91537 (22-01-29)






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