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Die Ätiologie der Arachnophobie

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    Eine Synthese evolutionsbiologischer, kognitiver und persöhnlichkeitspsychologischer Erklärungsansätze

    Die weitverbreitete Aversion des Menschen gegenüber Arachniden stellt ein komplexes Phänomen dar, das sich nicht hinreichend über rationale Gefahrenpotenziale erklären lässt. In der klassischen Angstforschung wurde anhand des Konzepts der biologischen Preparedness argumentiert, dass das menschliche Gehirn phylogenetisch darauf vorbereitet ist, Furchtreaktionen auf bestimmte Reize besonders rasch zu erlernen (Seligman, 1971). Während jedoch bei Primaten die Furcht vor Schlangen aufgrund jahrmillionenlanger Selektionsdrücke und einer tatsächlichen existenziellen Bedrohung evolutionär verankert scheint, erweist sich die kausale Zuordnung bei Spinnen als differenzierter. Da die überwiegende Mehrheit der heimischen Spinnenarten physiologisch harmlos ist, greifen rein phylogenetische Erkennungs- und Angstprogramme als alleinige Erklärung zu kurz.

    Aktuelle empirische Befunde legen nahe, dass die emotionale Reaktion auf Spinnen primär durch Affekte wie Ekel (Disgust) und Unbehagen moderiert wird, statt durch eine klassische phobische Furcht vor körperlicher Versehrung (Davey, 1991; Gerdes et al., 2009; Polák et al., 2020). Diese Reaktionen werden durch ein Zusammenspiel spezifischer morphologischer und kinetischer Reizmerkmale getriggert: Die Behaarung, die Vielgliedrigkeit der Extremitäten sowie abrupte, unvorhersehbare Bewegungsänderungen evozieren beim Beobachter das Gefühl mangelnder Kontrollierbarkeit (Armfield, 2006; Lindner et al., 2019).

    Auf individueller Ebene korreliert das Ausmaß dieser Aversion stark mit konstitutionellen Persönlichkeitsmerkmalen, insbesondere der Unsicherheitsintoleranz (Intolerance of Uncertainty, IU) (Carleton, 2016). Personen mit einer ausgeprägten Unsicherheitsintoleranz reagieren auf die subjektiv wahrgenommene Unberechenbarkeit der tierischen Bewegungsmuster mit verstärktem Diskomfort und Vermeidungsverhalten. Die menschliche Abneigung gegenüber Spinnen erweist sich somit weniger als rationales Überlebenskorrelat denn als kognitiv-affektive Reaktion auf Morphologie, Unberechenbarkeit und individuelle Ambiguitätstoleranz.

    Literatur

    Armfield, J. M. (2006). Cognitive vulnerability to phobias: A model relating perceived dangerousness, disgustingness, uncontrollability, and unpredictability. Clinical Psychology Review, 26(6), 746–768.
    Carleton, R. N. (2016). Into the unknown: A review on the intolerance of uncertainty construct. Journal of Anxiety Disorders, 39, 30–43.
    Davey, G. C. (1991). Characteristics of individuals with fear of spiders. Anxiety Research, 4(4), 299–314.
    Gerdes, A. B., Uhl, G., & Alpers, G. W. (2009). Spiders are special: Fear and disgust evoked by pictures of arthropods. Evolution and Human Behavior, 30(1), 66–73.
    Lindner, P., Miloff, A., Zetterlund, E. K., & Carlbring, P. (2019). Rapid threat-processing or intentional processing bias? The role of spider-movement in spider phobia. Journal of Anxiety Disorders, 61, 35–42.
    Polák, J., Sedláčková, K., Nácar, D., Landová, E., & Frynta, D. (2020). Fear and disgust evoked by harmless spiders: Testing the disease avoidance hypothesis. BMC Psychology, 8(1), Article 96.
    Seligman, M. E. (1971). Phobias and preparedness. Behavior Therapy, 2(3), 307–320.

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