Die Elemente des Bösen

Der psychiatrische Gerichtsgutachter Reinhard Haller konstatiert vier Elemente des Bösen: die einseitige Machtverteilung zwischen Täter und Opfer, die Planung, die Entmenschlichung und den Empathie-Mangel. Dabei hält er den Mangel an Empathie für das zentrale Merkmal des Bösen. Je mehr von diesen vier Faktoren erfüllt sind, desto böser ist die Tat.

Das Böse wandelt sein Gesicht in den letzten Jahren, wobei Taten durch immer kleinere Vorfälle ausgelöst werden, wobei den meisten Taten Kränkungen vorausgehen. Eine der Hauptursachen für böse Taten liegt daher auch im Zeitgeist, denn es gibt eine Wertschätzungsblockade, d. h., die Menschen tragen die Urangst in sich, nicht geliebt zu werden.

Dieses Sachbuch des Psychiaters Reinhard Haller ist übrigens die Basis für eine sechsteilige Serie im Fernsehen: „In einem Einkaufszentrum fallen Schüsse. Dem brutalen Ausbruch des Täters, der das Leben fremder Menschen aus der Bahn wirft, geht ein langer und quälender Prozess der Kränkung voraus, der in diesem Moment explodiert. Aber wer steckt hinter dem Attentat? Sechs Menschen, deren Geschichten und Schicksale zufällig miteinander verwoben sind, stehen im Zentrum der Beobachtung. Georg (Murathan Muslu) gehört zum Stab des Sicherheitsteams und versucht für seine Frau, die aufgrund eines Unfalls erblindet ist, der Fels in der Brandung zu sein. Doch die harte Schale, die er mit Kampfkunst und Anabolika stählt, beginnt zu zerbrechen. An Georgs Verhalten stört sich auch Mira (Julia Koschitz), die schon bei Georgs Vorgesetzten öfters Beschwerde gegen den Security-Mitarbeiter eingereicht hat. Doch auch bei Mira scheint die Welt nicht in Ordnung zu sein, denn ihre heimliche Affäre mit ihrem Chef sorgt für verletzte Gefühle. In dem Umfeld von Mira und Georg müssen auch Sarah (Johanna Wokalek), Ingeborg (Ulrike Willenbacher), Lorenz (Jonas Holdenrieder) und Mario (Paul Wollin) die Auswirkungen verarbeiten, die bald in einer Katastrophe enden.


Übrigens: Was macht das Gute gut und das Böse böse?

Böse übernatürliche Wesen werden häufig so dargestellt, dass sie auf unbeabsichtigte Bitten reagieren, während dies bei Darstellungen guter übernatürlicher Wesen weniger häufig der Fall ist. Diese Asymmetrie lässt vermuten, dass Menschen erwarten, dass sich gute und böse Agenten in ihrer Sensibilität für die Absichten anderer Menschen unterscheiden. Dunk et al. (2021) haben diese Hypothese in fünf Experimenten mit über zweitausend erwachsenen ProbandInnen untersucht. In den Experimenten 1 bis 4 bewerteten diese, ob gute oder böse Agenten Anfragen von Menschen gewähren würden, die sich in ihrem Verständnis dessen, was sie erbaten, und in der korrekten Ausführung der Anfragen unterschieden. In allen Experimenten waren die guten und bösen Agenten entweder übernatürliche Wesen oder normale Menschen. Die Teilnehmer sagten voraus, dass die guten Agenten für die Absichten hinter den Bitten sensibel sein würden, während die bösen Agenten vergleichsweise unempfindlich gegenüber diesen Absichten sein würden. In einigen Experimenten sagten sie außerdem voraus, dass die bösen Agenten stärker darauf achten würden, ob die Anfragen korrekt ausgeführt werden. In einem fünften Experiment bewerteten die Teilnehmer schließlich die Erklärungen dafür, warum ein Agent eine Bitte von jemandem erfüllen würde, der nicht versteht, worum er bittet. Die ProbandInnen waren der Meinung, dass böse Agenten solche Bitten gewähren könnten, weil ihnen die Absichten der anderen gleichgültig sind, während die ProbandInnen diese Erklärung für gute Agenten nicht stark befürworteten. Insgesamt deuten diese Ergebnisse darauf hin, dass die Menschen unterschiedliche Vorstellungen davon haben, wie der moralische Charakter die Entscheidungsfindung beeinflusst. Sie deuten auch darauf hin, dass die Überzeugungen der Menschen über gute und böse übernatürliche Wesen in ihren Ansichten über normale Menschen begründet sein könnten. Vereinfacht: Um als gut zu gelten reicht es nicht aus, schlicht eine Bitte zu erfüllen, sondern es war wichtig, zwischen den Zeilen zu lesen und die Beweggründe der Bitte zu berücksichtigen. Böse ist also eher, wer etwa genau darauf achtete, dass die Bitte korrekt formuliert ist, ohne zu berücksichtigen, was eigentlich dahinter steckt.

Literatur

Dunk, Rebecca J., Goulding, Brandon W., Fugelsang, Jonathan A. & Friedman, Ori (2021). Butt-dialing the devil: Evil agents are expected to disregard intentions behind requests. Journal of Experimental Social Psychology, 96, doi:10.1016/j.jesp.2021.104188.

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