Die Selektion der Informationen durch den Schlaf

Während des Schlafs werden Inhalte im Langzeitgedächtnis verfestigt, aber auch die Informationen, die während des Tages aufgenommen wurden, gefiltert. Was ist davon relevant und was kann man vergessen? In diesem Selektionsprozess entscheidet allein das Gehirn, welche Informationen es benötigt, damit das Individuum optimal an seine Umwelt adaptiert ist, d. h., es fragt beim Filtern auch danach, was ist bedeutsam für das zukünftige Verhalten, für die Umsetzung von Plänen. Nach welchen Kriterien das Gehirn im Einzelfall entscheidet, welche Informationen im Schlaf langfristig abgespeichert werden sollen, weiß man nicht genau, doch man vermutet, dass das Gehirn im Schlaf invariante Information herausfiltert und darüber konzeptuelle Repräsentationen herausbildet. Besonders Kinder werden in den ersten Lebensjahren mit unzähligen neuen Reizen überflutet, und benötigen daher viel Schlaf, um diese Informationsmenge bewältigen zu können und Regelhaftigkeiten herauszufiltern. In Untersuchungen hat man Hinweise darauf gefunden, dass man ohne Schlaf weder eine Sprache einschließlich ihrer konzeptuellen Begrifflichkeiten und grammatischen Regeln lernen noch abstrakt denken kann. Unnötiges Detailwissen wird während des Schlafs aussortiert, und das, was man öfter hört, sieht, erfährt, wird zusammengefasst und behalten, wobei die Kapazität des Gehirns, Dinge abzuspeichern, sehr groß aber nicht unbegrenzt ist. Diese Konsolidierung von Gedächtnisinhalten und ihre Abspeicherung im Langzeitspeicher findet hauptsächlich im Tiefschlaf statt, der auch als Deltaschlaf bezeichnet wird, und besonders ausgeprägt am Anfang der Nacht ist. Träume haben sind vermutlich ein Abfallprodukt dieser Aktivität des Gehirns, und die Träume, die man erinnert, entstehen wohl in der Regel, wenn das Gehirn am Aufwachen ist. Bei Menschen ab vierzig Jahren nimmt der Tiefschlaf kontinuierlich ab, Achtzigjährige haben nur noch wenig Tiefschlaf. Parallel dazu sinkt auch die Menge der Gedächtnisinhalte, die neu gebildet werden können. Aber da ältere Menschen sehr viel Vorwissen besitzen, so dass sie neue Informationen relativ schnell damit verknüpfen können, brauchen sie auch nicht so viel Schlaf. Trotzdem kann man auch in diesem Alter den Tiefschlaf noch verbessern, indem man sich tagsüber etwa durch mentale Anstrengung oder durch Sport aktiviert und dann abends einfach müder ist. Wer tagsüber aktiver ist, schläft nachts auch tiefer, doch man sollte mit den Aktivitäten aber einige Zeit vor dem Einschlafen aufhören, denn eine Aktivität kurz vor dem Schlafengehen aktiviert das Gehirn noch einmal und das ist kontraproduktiv.


Siehe dazu den Hypertext “Der Schlaf”


Zusammengefasst nach einem Interview mit dem Neurowissenschaftler Jan Born in Spiegel Online vom 30. Mai 2019



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