Die wirklichen Probleme in den Klassenzimmern

Da ein einziger Lehrer das Leben eines Kindes verändern kann, hat die Tageszeitung Kurier 2019 eine Initiative gestartet, bei der zwölf Experten aus der Praxis die wirklichen Probleme in den Klassenzimmern, bei denen dringend Handlungsbedarf besteht, benennen und Lösungen aufzeigen.

  • Neue Mittelschulen: Sie werden vor allem in den Städten zu Restschulen, d. h., die Eltern wollen ihr Kind nicht dorthin schicken, und Lehrer unterrichten lieber in einer AHS. Selbst Mittelschulen, die sich gut entwickeln, gelten als Brennpunktschulen.
  • Schnittstellen: Der Druck, später in ein Gymnasium gehen zu können, wirkt sich schon auf die Kleinsten aus, denn bereits in der 2. Klasse Volksschule gilt ein Dreier im Zeugnis als „Katastrophe“.
  • Unterstützungspersonal: In keiner Schule im Ausland ist der Direktor das Mädchen für alles, sondern es gibt Unterstützungspersonal. Doch ohne Beratungslehrer oder Sozialarbeiter sind die heutigen Herausforderungen nicht zu bewältigen.
  • Elternarbeit: Die Eltern sind heute oftmals hilfloser als früher, d. h., es bräuchte aufsuchende Elternarbeit wie in Skandinavien üblich.
  • Soziale Schere: Die Niveauunterschiede sind groß, wobei die Ursachen aber weniger im mangelnden Deutsch als im sozialen Hintergrund der Familie liegen, denn was Eltern ihren Kindern nicht vermitteln, kann keine Schule aufholen.
  • Elementarpädagogik: Kinder kommen mit zwei Jahren Rückstand ins verpflichtende Kindergartenjahr, was man unter den jetzigen Bedingungen nicht aufholen kann.
  • Autonomie: Am Standort kann zwar theoretisch viel entschieden werden, wie etwa Zweige (z.B. Medien und Kommunikation), doch die Umsetzung wird durch Regelungen erschwert.
  • Freie Schulwahl: Die Gemeinden verhindern meist, dass Kinder die Pflichtschule im Nachbarort wählen können.
  • Lehrerauswahl: Mittlerweile ist es zwar meist kein Problem für Direktoren, den Wunschlehrer zu bekommen, doch kann man Ungeeignete kaum loswerden.
  • Lehrerausbildung: Das Unterrichtspraktikum wurde abgeschafft.
  • Wertschätzung: In den Systemdebatten geht unter, was wesentlich ist: Wie Direktoren, Lehrer, Kinder und Eltern miteinander umgehen.

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