Einsamkeit kann man im Gehirn ablesen




Spreng et al. (2020) haben unter Verwendung der UK Biobank Population Imaging-Genetics Kohorte (etwa vierzigtausend Menschen im Alter von 40-69 Jahren mit einem Durchschnittsalter etwa fünfundfünfzig Jahren), in der Morphologie der grauen Substanz, der intrinsischen funktionellen Kopplung und der Mikrostruktur der Faserbahnen auf Signaturen von Einsamkeit geprüft. Die mit Einsamkeit verbundenen neurobiologischen Profile konvergieren in einer Ansammlung von Hirnregionen, die als Standardnetzwerk (default network) bekannt sind, wobei dieses höhere assoziative Netzwerk konsistentere Einsamkeitsassoziationen im Volumen der grauen Substanz zeigt als andere cortikale Gehirnnetzwerke. Bei Einsamen war demnach das Netzwerk besonders stark ausgeprägt war, das für Erinnerungen und hypothetische Szenarien gebraucht wird, und zwar im Hippocampus, wo Erinnerungen abgerufen werden und in den Nervenfasern der Fornix (der Fornix cerebri ist eine C-förmige Projektionsbahn des Gehirns, die den Hippocampus mit den Corpora mammilaria verbindet), die diese Informationen weitertragen. Das bedeutet, dass Menschen, die sich einsam fühlen, ihre Gedanken eher nach innen richten, wobei diese dabei ihre Vorstellungskraft nutzen, um in Erinnerungen an die Vergangenheit zu schwelgen oder Gedanken an die Zukunft zu entwickeln. In Abwesenheit von erwünschten sozialen Erfahrungen sind einsame Personen möglicherweise auf nach innen gerichtete Gedankengänge wie das Erinnern oder Vorstellen von sozialen Erfahrungen zurückgeworfen.

Literatur

Spreng, R. Nathan, Dimas, Emile, Mwilambwe-Tshilobo, Laetitia, Dagher, Alain, Koellinger, Philipp, Nave, Gideon, Ong, Anthony, Kernbach, Julius M., Wiecki, Thomas V., Ge, Tian, Li, Yue, Holmes, Avram J., Yeo, B. T. Thomas, Turner, Gary R., Dunbar, Robin I. M. & Bzdok, Danilo (2020). The default network of the human brain is associated with perceived social isolation. Nature Communications, dot:10.1038/s41467-020-20039-w.