Gibt es einen Hunger nach sozialen Beziehungen?

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Tomova et al (2020) haben mittels funktioneller Magnetresonanztomographie die neuronalen Reaktionen gemessen, die durch Nahrung und soziale Reize hervorgerufen werden, nachdem die Probanden zehn Stunden Zwangsfasten oder totale soziale Isolation erlebt hatten. Nach der Isolation fühlten sich die Teilnehmer einsam und sehnten sich nach sozialer Interaktion, wobei die Regionen des Mittelhirns eine selektive Aktivierung auf Nahrungsmittelreize nach dem Fasten und auf soziale Reize nach der Isolation zeigten. Diese Reaktionen korrelierten auch mit dem selbstberichteten Verlangen, allerdings differenzierten striatale und kortikale Regionen zwischen dem Verlangen nach Nahrung und dem Verlangen nach sozialer Interaktion. Über die Deprivationssitzungen hinweg fand man auch, dass Deprivation die motivationalen Reaktionen des Gehirns auf das entzogene Ziel verengt und fokussiert, sodass eine vorübergehende Isolation ähnliche Bedürfnisse nach sozialer Interaktion auslöst wie Fasten vermehrt Hungergefühle mit sich bringt. Die Substantia nigra wird also bei Hunger und bei dem Verlangen nach sozialer Interaktion in ähnlicher Weise aktiviert, womit bestätigt wird, dass positive soziale Interaktion ein menschliches Grundbedürfnis darstellt.

Literatur

Tomova, Livia, Wang, Kimberly L., Thompson, Todd, Matthews, Gillian A., Takahashi, Atsushi, Tye, Kay M. & Saxe, Rebecca (2020). Acute social isolation evokes midbrain craving responses similar to hunger. Nature Neuroscience, 23, 1597-1605.


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