Kann man Psychopathen an ihrer Gehirnarchitektur erkennen?

Um die Gehirne von Menschen mit bestimmten psychischen Störungen mit Gehirnen von Menschen ohne diese Störungen zu vergleichen, fokussiert man sich häufig auf a priori-Bereiche, d. h., auf Areale, von denen aufgrund ihrer Funktion ein stärkerer Zusammenhang mit der Störung vermutet wird. Bei der Psychopathie interessierten sich frühere Studien vor allem für den präfrontalen Cortex, da hier die emotionalen Bewertung einer Situation stattfindet, für den Hippocampus, der bei der Überführung von Gedächtnisinhalten aus dem Kurzzeit- in das Langzeitgedächtnis bei emotionalen Inhalten zuständig ist, und für die Amygdala, in der Angst und Furcht gesteuert werden. So zeigten MRT-Scans bei Betroffenen eben ein reduziertes Volumen des präfrontalen Cortex sowie reduzierte Volumina und abnormale Formen im Hippocampus und der Amygdala.

Durch diese Methode ist aber möglich, dass Studien, die sich nur auf die bekannten Areale konzentrieren, Abweichungen in anderen Regionen übersehen werden. So fanden neuere MRT-Studien mit automatisierten Scanning-Methoden, die ohne Vorselektion funktionieren, auch eine Abnahme der grauen Hirnsubstanz in temporalen Hör- und Sprachzentrum, im limbischen System und in paralimbischen Regionen, also in Bereichen, die in das limbische System hineinreichen, mit steigender Schwere der Psychopathie.

Literatur

De Brito, S. A., Forth, A. E., Baskin-Sommers, A. R., Brazil, I. A., Kimonis, E. R., Pardini, D., Frick, P. J., Blair, R. & Viding, E. (2021). Psychopathy. Nature reviews. Disease primers, 7, doi:10.1038/s41572-021-00282-1.