Kann Projektunterricht wirklich demokratisch sein?

Projektunterricht eignet sich nach Edelstein (2009) in besonderem Maß zur Vermittlung eines demokratischen Habitus, denn dieser verbindet den Ansatz des handlungsorientierten Lernens, des praktischen Engagements in und für die Gesellschaft, mit der aktiven Einbindung von SchülerInnen. Sie sind dann gemeinschaftlich verantwortlich für die Ausarbeitung ihrer Ergebnisse, können also sich selbständig für Schwerpunkte und Lösungswege entscheiden und lernen dadurch, sich miteinander abzustimmen. Als kooperative Strukturen bieten Projekte eine Gelegenheit zu gemeinsamer Planung, gleichberechtigter Beteiligung, gemeinsam abgestimmter Organisation, kommunikativer Evaluierung und diskursiv gerechtfertigter Bewertung. Dabei geht es immer und sogar vorrangig um Prozesse der Gestaltung, die auch unabhängig von den Inhalten aus sich selbst heraus demokratiefördernd sein können.

Kritisch ist jedoch anzumerken, ob bzw. unter welchen Voraussetzungen der Projektunterricht diese Versprechen tatsächlich einlösen kann. Immerhin ist es fraglich, wieviel kritisches Potential in diesem Ansatz vorhanden ist, da sich der Begriff der demokratischen Erfahrung häufig auf ein eher unreflektiertes oder sogar naives Bild des Systems Schule stützt, denn einerseits steckt darin sowohl eine Idealisierung der Schule als auch eine Harmonisierung darin existierender natürlicher Konflikte. Daraus ergibt sich, dass die Partizipation der SchülerInnen meist eher eine Scheinpartizipation darstellt, denn eine echte Mitbestimmung ist im System Schule institutionell nicht vorgesehen, da sie gesellschaftliche Aufträge wahrnimmt, deren Thematisierung viele Funktionsweisen und Abläufe von Schule grundlegender in Frage stellen würde, als dies die Institution Schule zulassen kann, sofern sie noch funktionieren soll. Dadurch kommt es in einem solchen Projektunterricht eher zu einem limitierten Verständnis, was Mitbestimmung bzw. Demokratie wirklich bedeuten oder sein könnten.

Literatur

Edelstein, Wolfgang (2009). Demokratie als Praxis und Demokratie als Wert (S. 7–20). In Edelstein, Wolfgang, Frank, Susanne & Sliwka, Anne (Hrsg.), Praxisbuch Demokratiepädagogik. Weinheim und Basel: Beltz.