Dass das gleichzeitige Erledigen mehrerer Dinge mit zunehmendem Alter schwerer fällt, ist ein vollkommen natürlicher Vorgang und kein Anzeichen für ein persönliches Scheitern. Im Laufe des Lebens verändert sich die Art und Weise, wie das Gehirn Aufmerksamkeit steuert und zwischen verschiedenen Anforderungen wechselt. Während in jüngeren Jahren die Ausrichtung von Denkprozessen im Vordergrund steht, verlagert das Nervensystem seinen Schwerpunkt ab etwa dem sechzigsten Lebensjahr auf Zellschutz, Reparaturprozesse und die Aufrechterhaltung der Grundfunktionen. Durch biologische Umbauprozesse, Veränderungen bei Botenstoffen und das Nachlassen schützender Eiweiße benötigt das Gehirn schlichtweg mehr Zeit, um nach einer Unterbrechung wieder zur ursprünglichen Aufgabe zurückzukehren.
Typische Alltagsfehler – wie das Vergessen eines Vorhabens beim Betreten eines Raumes oder das Suchen nach dem Schlüssel – werden häufig vorschnell als beginnende Gedächtnisstörung gedeutet. In den meisten Fällen handelt es sich jedoch lediglich um das Ergebnis von Ablenkung und fehlender Konzentration. Wenn Handlungen unter Multitasking-Bedingungen nicht bewusst wahrgenommen werden, prägen sie sich im Gedächtnis nicht richtig ein. Zudem zeigt sich über alle Altersgruppen hinweg, dass das Gehirn bei Mehrfachbelastungen schnell an Leistungsgrenzen stößt, Unsicherheiten durch Informationsüberlagerungen entstehen und zusätzlicher Stress zwar das Handlungstempo leicht erhöht, aber die Fehlerquote deutlich steigen lässt.
Um der veränderten kognitiven Funktionsweise im Alltag gerecht zu werden, erweisen sich gezielte Anpassungen des Verhaltens als äußerst wirksam. Am besten gelingt die Bewältigung alltäglicher Aufgaben, wenn der Fokus ganz bewusst auf eine einzelne Tätigkeit gerichtet wird. Strukturierte Arbeitsphasen von 10 bis 15 Minuten, das Reduzieren von Nebengeräuschen oder parallelen Reizquellen sowie kurze, prägnante Merklisten helfen dabei, den Überblick zu behalten. Auch das laute Aussprechen von Zwischenschritten, kurze Erholungspausen zwischen verschiedenen Aufgaben und die Nutzung der persönlich leistungsfähigsten Tageszeit unterstützen die geistige Beweglichkeit nachhaltig. Erste wissenschaftliche Ansätze zur Kombination von Gehirntraining mit stimulierenden Verfahren zeigen zudem, dass die kognitive Beweglichkeit und Sprachfähigkeit bis ins hohe Alter gezielt gefördert werden können.
Literatur
Stangl, W. (2026, 19. Oktober). Multitasking doch möglich? arbeitsblätter news.
https://arbeitsblaetter-news.stangl-taller.at/multitasking-doch-moeglich/.