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Kritikalität bei Meditation

Wenn sich Menschen ohne jegliche Meditationserfahrung ausschließlich auf Ihre Atmung konzentrieren, wird die neuronale Aktivität über weite Teile der Hirnrinde hinweg koordiniert, wobei im Gegensatz zum Ruhezustand achtsame, fokussierte Aufmerksamkeit erfordert, dass man das Wandern der Gedanken bemerkt und unterdrückt und sich immer wieder neu auf den Atem konzentriert. Dabei geht es um ständige Überwachung und exekutive Kontrolle, insbesondere bei Anfängern, damit das in Gehirnzuständen umgesetzt wird, die an einem instabilen kritischen Punkt zwischen Ordnung und Unordnung (Kritikalität) ausbalanciert sind und eine flexible Fokussierung der Aufmerksamkeit ermöglichen.

In einer Studie verglich man eine Gruppe von Probanden, die Achtsamkeitsmeditation durchführten, mit einer Gruppe in Ruhe, wobei den Meditationsanfängern eine einfache Achtsamkeits-Atmungsaufgabe gestellt wurde. Es zeigte sich, dass hochfrequente Aktivität des Gehirns im Vergleich zum Ruhezustand Kritikalität zeigt, wobei der frontale Cortex neuronale Aktivitätskaskaden auslöst und diese Aktivitäten durch andere cortikale Regionen führen als im Ruhezustand. Offenbar verursacht Meditation lokale funktionelle Veränderungen des Gehirns, was die damit verbundene Verbesserung der Informationsverarbeitung erklärt.

Missverständnisse im Zusammenhang mit Meditation

Maria Berentzen widmet sich in einem Beitrag einigen Missverständnisse und zitiert Andy Puddicombe, der mit häufigen Annahmen über das Meditieren aufräumt, die schlicht falsch sind. Bei der Meditation geht es nicht darum, Gedanken zu stoppen, denn Meditation hat vielmehr das Ziel, die Beziehung zu den eigenen Gedanken zu verändern, sie zu beobachten und sie loszulassen. Es geht nicht darum, etwas zu erreichen oder zu tun, denn wenn man das Kommen und Gehen der Gedanken beobachtet, verlangsamt sich der Geist ganz natürlich. Deshalb ist die fokussierte Aufmerksamkeit eine der wichtigsten Techniken, d. h., der Geist erhält eine Art Anker, auf den er sich konzentrieren kann und zu dem er zurückkehren kann, wenn er einmal abgeschweift ist. Meditation hat sich in unterschiedliche Richtungen entwickelt, doch die meisten davon betonen die Bedeutung von Achtsamkeit und Mitgefühl. Meditieren geht auch nicht nur im Schneidersitz, doch ist es viel wichtiger, eine Haltung zu finden, in der man sich wohlfühlt, d. h., man kann zum Meditieren sehr gut auf einem Stuhl sitzen, wobei die Arme auf den Beinen ruhen und man Arme und Beine nicht überkreuzt sein sollten. Die Füße sollten direkt auf dem Boden stehen, um sich geerdet zu fühlen. Beim Meditieren muss man nicht unbedingt die Augen schließen, sondern man kann die Augen geöffnet lassen und auf ein äußeres Objekt zu blicken, etwa auf die Flamme einer Kerze. Auch ist es ein weitverbreiteter Irrglaube, dass es Monate oder sogar Jahre dauert, bis sich die Vorteile der Meditation bemerkbar machen, auch wenn Meditieren etwas Übung und ein ein gewisses Maß an Disziplin braucht. Entscheidend ist, konsequent zu üben und eine Routine zu entwickeln.

Literatur

Stangl, W. (2022). Stichwort: ‚Meditation‘. Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik.
WWW: https://lexikon.stangl.eu/418/meditation#comment-11290 (22-01-08)






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