Kulturabhängigkeit des Glücks




Die überwiegende Mehrzahl der kulturübergreifenden Studien zum Glück verwenden ein westlich orientiertes Maß des Glücks – meist in Form von standardisierte Fragebögen bzw. Glücksskalen -, und es als eine egozentrische bzw. von anderen Menschen unabhängige Emotion konzeptualisiert. Diese Glückstests wurden in westlichen Ländern entwickelt und spiegeln daher die westlich-protestantisch geprägte Einstellung, dass Glück mit persönlichem Erfolg zusammenhängt und mit starken positiven Gefühlen einhergeht. Doch es ist fraglich, wie universell einsetzbar solche Tests sind, denn Forschungen aus östlichen Kulturen, insbesondere aus Japan, konzeptualisieren Glück als einen zwischenmenschlichen Aspekt, der Harmonie und Verbundenheit mit anderen Menschen betont. Gardiner et a. (2020) haben in einer Studie überprüft, inwieweit westliche, individuell orientierte Glückstests und asiatische, gemeinschaftsorientierte Glückstests das Glücksniveau in kulturell sehr unterschiedlichen Ländern der Welt zutreffend erfassen, und dabei die amerikanische Glücksskala Subjective Happiness Scale mit der in Japan entwickelten Interdependent Happiness Scale verglichen. Man überprüfte dabei die interne Konsistenz der Skalen, wobei sich zeigte, dass der amerikanische Glücktest vor allem für Menschen aus westlichen Ländern zuverlässig das Glück abbildete, während im asiatischen Raum der japanische Test genauere Ergebnisse erzielte, doch nur in den USA und Japan waren die Unterschiede eher gering. Dieses Ergebnis war insofern überraschend, als üblicherweise die USA und Japan als die prototypischen Länder gelten, wenn es darum geht, kulturelle Unterschiede in der Psychologie des Glücks zu betonen. In Ländern des westlichen Kulturkreises zeigte sich für die Glücksskala eine deutliche Korrelation zwischen hohen Glückswerten und Faktoren wie Wohlstand, Bildung und geringem Bevölkerungswachstum, während die japanische Skala eine geringere Schwankungsbreite aufwies und in allen Ländern ungefähr ähnlich zuverlässig ist. Das mit dieser japanischen Skala gemessene Glück korrelierte auch weniger mit anderen, landesbezogenen Faktoren. Die geringste Zuverlässigkeit wiesen aber beide Tests in Afrika und im Mittleren Osten auf, was auf Unterschiede dieser Kulturen hinweist, und die sich demnach in Bezug auf Glück deutlich von denen in westlichen Ländern und dem asiatischen Raum unterscheiden. Diese Studie bestätigt erneut, dass Glück in hohem Maße davon abhängt, wo jemand lebt.

Literatur

Gardiner, Gwendolyn, Lee, Daniel, Baranski, Erica & Funder, David (2020). Happiness around the world: A combined etic-emic approach across 63 countries. Public Library of Science, doi:10.1371/journal.pone.0242718.