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Licht als Taktgeber für die innere Uhr

    Jede einzelne Zelle des menschlichen Körpers hat ihre eigene innere Uhr, wobei diese Uhren im Körper einer Art Hierarchie folgen. Diese Konstellation macht es möglich, dass sich der Mensch an einen neuen Hell-Dunkel-Rhythmus anpassen kann, zum Beispiel nach einer Zeitumstellung oder nach einem Flug in eine andere Zeitzone. Die Hauptuhr im Gehirn synchronisiert dann alle inneren Uhren des Körpers auf den neuen Hell-Dunkel-Rhythmus, was in der Regel einige Tage dauert, so dass man zunächst unter einem Jetlag leidet.

    Zwar benötigt jeder Mensch Licht als Taktgeber für die innere Uhr, doch nur 20 bis 30 Prozent der Menschen reagieren auf den Lichtmangel mit Winterblues oder sogar einer Winterdepression. Diese Menschen sollten möglichst früh am Morgen mit Hilfe einer Hochleistungslampe die notwendige Lichtmenge aufzunehmen versuchen. Hochleistungslampe geben mindestens 10000 Lux ab, während normales Kunstlicht im Büro oder Wohnzimmer maximal 500 Lux bietet, ein bedeckter Wintertag zu Mittag immerhin noch 6000 Lux, aber ein sonniger Sommertag an die 20000 Lux.

    Solche Lichtquanten, vor allem ihr hoher Blaulichtanteil, regen spezielle Zellen in der Retina an, wobei diese den Lichtreiz an Neuronen der inneren Uhr im Gehirn weitergeben. Dadurch wird tagsüber die Produktion des Hormons Melatonin unterdrückt, während in dunklen Tagesstunden, vor allem aber in der Dämmerung die Melatoninproduktion angekurbelt wird, was die Schläfrigkeit steigert und damit die Menschen mit ihrer Umgebung synchronisiert.

    Die Ausschüttung von Melatonin erfolgt im zirkadianen Rhythmus, abhängig von Licht- und Dunkelheitssignalen, d. h., die Produktion von Melatonin beginnt normalerweise am Abend, wenn es dunkel wird, und erreicht in der Regel in den späten Abend- und Nachtstunden ihren Höhepunkt. Mit dem Einsetzen des Tageslichts nimmt die Melatoninproduktion ab und erreicht am Morgen ihren niedrigsten Punkt, denn das Tageslicht unterdrückt die Melatoninproduktion und signalisiert dem Körper, wach und aktiv zu sein. Daraus folgt, dass man störende Lichtquellen aus dem Schlafzimmer verbannen muss.

    Benutzer von Mobiltelefonen und Computern kennen den Effekt, dass durch das Arbeiten an diesen Geräten unmittelbar vor dem Einschlafen die Einschlafbereitschaft reduziert wird, da Melatonin, das sowohl im Darm als auch in der Netzhaut des Auges gebildet und in der Epiphyse dann unter dem Einfluss von Dunkelheit freigesetzt wird, durch den Blauanteil der Screens gehemmt wird, sodass der Melatoninspiegel zu hoch bleibt, um einschlafen zu können.

    Auch das Serotoninsystem, das unter anderem für die Stimmung zuständig ist, wird vom Licht beeinflusst, denn kein oder nur sehr wenig Tageslicht bedeuten für viele Menschen Müdigkeit und schlechte Laune.

    Literatur

    Stangl, W. (2012). Stichwort: ‚Formatio reticularis‘. Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik.
    WWW: https://lexikon.stangl.eu/3497/formatio-reticularis/ (2012-10-28)
    Stangl, W. (2012). Herbstblues, Winterdepression. [werner stangl]s arbeitsblätter.
    WWW: https://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/EMOTION/Depression-Winterblues.shtml (2012-10-28).






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