Mimik bei Mäusen

Dolensek et al. (2020) haben gezeigt, dass auch die Mimik bei Mäusen deren Gefühlslage verrät, wobei fünf emotionale Zustände in der Mimik der Tiere zu unterscheiden sind: Freude, Ekel, Unwohlsein, Schmerz und Angst. Demnach sieht das Gesicht von Mäusen ähnlich wie bei Menschen unterschiedlich aus, je nachdem, ob sie etwas Süßes oder etwas Bitteres fressen oder ob sie ängstlich sind. In Experimenten wurde der Gesichtsausdruck der Tiere per Bildverarbeitung erfasst, wobei Mäuse, die eine Zuckerlösung schleckten, viel freudigere Gesichtsausdrücke zeigten, wenn sie hungrig als wenn sie satt waren. Wenn etwa für Mäuse etwas angsterregend ist, weiteten sich ebenfalls die Augen, die Ohren stellten sich auf Empfang und sie strecken ihre Schnurrbarthaare nach vorn, als wollten sie möglichst schnell viel wahrnehmen, um das Unheil vielleicht noch zu abzuwenden. In den Versuchen konnte man auch verschiedene Mimiken auslösen, wenn man einzelne Areale des Gehirns aktivierte. Bei Messungen der Aktivität einzelner Nervenzellen in bestimmten Hirnregionen und dem Vergleich mit der Mimik zeigte sich, dass diese im gleichen Augenblick und mit vergleichbarer Stärke wie das Gesicht der Maus reagierten. Mit der dabei entwickelten computergestützten Gesichtsausdrucksanalyse konnte man die Intensität und Art einer Emotion messen und mit der Aktivität in relevanten Gehirnregionen vergleichen. Warum Menschen und auch manche Tiere überhaupt Mimik zeigen, ist allerdings noch nicht ganz geklärt, auch wenn es für Menschen Hinweise darauf gibt, dass die Gesichtsmuskeln unbewusst dafür genutzt werden, um die große Anzahl an Sinnesinformationen zu regulieren, die sie in diesem Augenblick aufnehmen.

Literatur

Dolensek, Nejc, Gehrlach, Daniel A., Klein, Alexandra S. & Gogolla, Nadine (2020). Facial expressions of emotion states and their neuronal correlates in mice. Science, 368, 89-94.



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