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Placeboeffekte nicht nur bei Medikamenten

Es gibt immer mehr Forschungsarbeiten, die sich mit der Entwicklung und Bewertung von Verhaltenstrainingsparadigmen zur Verbesserung der kognitiven Leistungsfähigkeit befassen. Kürzlich wurde vorgeschlagen, dass ein Mechanismus, durch den solche Leistungsverbesserungen ausgelöst werden könnten, in den Erwartungen der Teilnehmer an eine Verbesserung besteht. Es ist jedoch noch nicht untersucht worden, ob es möglich ist, in einer langfristigen Verhaltenstrainingsstudie Veränderungen der kognitiven Funktion durch die Beeinflussung der Erwartungen zu bewirken. In einer Studie (Parong et al., 2022) wurden nun positive oder negative Erwartungen an ein kognitives Training sowohl explizit als auch assoziativ vor einem Arbeitsgedächtnistraining oder einem Kontrolltraining induziert.

In Übereinstimmung mit früheren Arbeiten wurde ein Haupteffekt der Trainingsbedingung festgestellt, wobei Personen, die mit der Arbeitsgedächtnisaufgabe trainiert wurden, größere Zuwächse bei den kognitiven Funktionen zeigten als solche, die mit der Kontrollaufgabe trainiert wurden. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die fluide Intelligenz, die kognitive Flexibilität und das Arbeitsgedächtnis stärker von der Wirkung der positiven Erwartung profitierten als die räumliche Wahrnehmung und die selektive visuelle Aufmerksamkeit. In den erstgenannten Bereichen zeigten die Teilnehmer der Placebogruppe eine signifikant stärkere Verbesserung als die Nocebo-Gruppe, bei den beiden letztgenannten Bereichen war dies jedoch nicht der Fall.

Es wurde kein Interaktionseffekt zwischen Training und Erwartungshaltung gefunden, aber explorative Analysen deuten darauf hin, dass bestimmte individuelle Merkmale wie Persönlichkeit oder Motivation die Größe des Erwartungseffekts beeinflussen, denn es gab deutliche individuelle Unterschiede, wobei auch die grundsätzlichen Einstellungen zum mentalen Training und zur Intelligenz eine wichtige Rolle spielten, denn Teilnehmer, die von vornherein glaubten, dass die Intelligenz veränderbar und verbesserbar ist, zeigten einen größeren Placeboeffekt als diejenigen, die glaubten, dass die Intelligenz unverändert ist. Diese Ergebnisse legen nahe, dass die Erwartungen der Teilnehmer an das Training genutzt werden könnten, um die Trainingsergebnisse zu maximieren.

Literatur

Parong, Jocelyn, Seitz, Aaron R., Jaeggi, Susanne M. & Green, C. Shawn (2022). Expectation effects in working memory training. Proceedings of the National Academy of Sciences. doi: 10.1073/pnas.2209308119.






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