Sprache und Vorurteil

Nachrichten können subtile Hinweise enthalten, die beeinflussen, wie Menschen andere Menschen wahrnehmen, etwa kleine Sprachvariationen, die die Ethnizität von Akteuren beschreiben. Ein Mensch kann etwa als «eingewanderter Italiener» oder als ein «italienischer Eingewanderter» beschrieben werden. Frühere Studien (Carnaghi et al., 2008) haben gezeigt, dass Informationen, die ein Nomen enthalten, die Meinung über eine Person in einem größeren Ausmaß beeinflussen als wenn die gleiche Information ein Adjektiv enthält. Etwa glaubten Menschen, dass ein Katholik öfter die Kirche besucht als eine katholische Person, trotz der Tatsache, dass Nomen und Adjektiv das gleiche, nämlich die Religion einer Person, beschreiben. Graf et al. (2019) zeigten nun, dass die Kennzeichnung der Ethnizität mit Substantiven (z.B. ein männlicher Roma) zu mehr Vorurteilen führte als eine Kennzeichnung mit Adjektiven (z.B. ein Roma-Mann), unabhängig von der Wertigkeit der Berichte. Nomen fördern offenbar vorhandene Vorurteile mehr als Adjektive, und zwar unabhängig von Positivität oder Negativität der Berichterstattung, sogar wenn über positive Ereignisse berichtet wird.

Literatur

Carnaghi, A., Maass, A., Gresta, S., Bianchi, M., Cadinu, M. & Arcuri, L. (2008). Nomina sunt omina: on the inductive potential of nouns and adjectives in person perception. Journal of Personality and Social Psychology, 94, 839-859.
Graf, S., Linhartova, P. & Sczesny, S. (2019). The effects of news report valence and linguistic labels on prejudice against social minorities. Media Psychology, doi:10.1080/15213269.2019.1584571.



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