Testosteron bei männlichen Jugendlichen

Laube et al. (2017) haben sich mit impulsivem und risikoreichem Entscheidungsverhalten von Jugendlichen beschäftigt und untersucht, welchen Einfluss Testosteron auf jugendliche Entscheidungen hat. Dabei wurde die Rolle von Hormonen bei impulsiven Entscheidungen untersucht, wobei männliche Jugendliche impulsiver sind als Mädchen, sodass man sich in der Studie auf die Untersuchung von männlichen Jugendlichen im Alter zwischen 11 und 14 Jahren konzentrierte. Zur Feststellung ihres Pubertätsstatus gaben die Probanden zwei morgendliche Speichelproben zur Bestimmung ihres Testosteronspiegels ab, und um etwas über ihr impulsives Verhalten zu erfahren, absolvierten sie einen Entscheidungstest über einen hypothetischen Geldbetrag treffen, der unterschiedlich zeitnah angeboten wurde, wobei sie zwischen einem zeitnahen, kleineren Geldbetrag oder einem höheren Geldbetrag in der Zukunft wählen konnten. Dabei war die Mehrheit der Heranwachsenden für unmittelbare Belohnungen empfänglicher, denn etwa zwei Drittel entschieden sich für den zeitnahen geringeren Geldbetrag. Erst mit zunehmendem Alter fällt der Zeitpunkt der Belohnung weniger ins Gewicht. Erhöhte Impulsivität von Jugendlichen kann daher auf ein Ungleichgewicht in der Reifung des subcortikalen affektiven Netzwerkes und des cortikalen kognitiven Kontrollnetzwerks im Gehirn sowie ihrer Verbindungen zurückzuführt werden, wobei das affektive Netzwerk, das an der Wahrnehmung und Bewertung von Belohnungen beteiligt ist, schneller als das Kontrollnetzwerk und seine Verbindungen reift. Erst mit zunehmendem Alter wird die Verbindung zum Kontrollnetzwerk stärker und Jugendliche lernen, sich zu gedulden und zukünftige Belohnungen wertzuschätzen. Als praktische Konsequenz aus erzieherischer Perspektive ist es vor dem Hintergrund dieser Studienergebnisse ratsam, positives Verhalten von Jugendlichen kurzfristiger zu belohnen, statt auf Belohnungen in der Zukunft zu verweisen.

Literatur

Laube, C., Suleiman, A., Johnson, M., Dahl, R. E., & van den Bos, W. (2017). Dissociable effects of age and testosterone on adolescent impatience. Psychoneuroendocrinology, 80, 162-169.



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