Was ist der Reminiszenzhöcker?




Bei Menschen, die man ihr Leben erzählen lässt, stammen die Erinnerungen, die sie erzählen, häufig aus der Phase, in der sie ungefähr zwischen fünfzehn und fünfundzwanzig waren, mit einem Höhepunkt um ihr zwanzigstes Lebensjahr. Übertragen in eine Grafik sieht man bei Menschen aus dieser Alterskategorie, wie die Zahl der Erinnerungen ab ihrem zehnten Lebensjahr schnell ansteigt, den Höhepunkt um die zwanzig erreicht und dann Richtung dreißig wieder abflaut. Aus der Phase, in der sie vierzig oder fünfzig waren, erzählen sie im Verhältnis viel weniger.

Wegen dieser charakteristischen Erhöhung in der Adoleszenz spricht man von einem Reminiszenzhöcker. Dieser Reminiszenzeffekt beginnt, wenn Menschen auf die sechzig zugehen, und wird danach immer höher, ist bei Achtzigjährigen stärker als bei Sechzigjährigen, und es gibt eine Studie, die gezeigt hat, dass der Reminiszenszöcker bei Menschen von über hundert Jahren wiederum noch höher ist als bei Achtzigjährigen. Auch Alzheimerpatienten erinnern sich meist besonders gut an jene Zeit des Erwachsenwerdens, weil sich hier große Teile der Identität gebildet haben.

Auch beim Vergleich von Autobiografien älterer Autoren über siebzig mit denen junger Autoren zeigt sich, dass die älteren diesem Muster des Reminiszenzhöckers folgen, denn sie widmen der Zeit, in der sie zwischen fünfzehn und fünfundzwanzig Jahre alt waren, deutlich mehr Seiten als einer ebenso langen Phase aus ihren mittleren Jahren. Bei jüngeren Autoren ist dieser Höcker zwar auch vorhanden, aber viel weniger ausgeprägt.