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Woran erkennt man die Stressresilienz eines Menschen?

Stressresilienz bezeichnet die psychische Widerstandsfähigkeit von Menschen, die es ermöglicht, selbst widrigste Lebenssituationen und hohe Belastungen, die Stressreaktionen erzeugen, ohne nachhaltige psychische Schäden zu bewältigen. Grueschow et al. (2021) haben nun die neurobiologischen Grundlagen dieser Form der Resilienz nachgewiesen, indem sie zeigten, dass die neuronale Reaktionsfähigkeit des noradrenergen Locus coeruleus und die damit verbundenen Pupillenreaktionen mit der anschließenden Veränderung von Angst- und Depressionsmaßen als Reaktion auf anhaltenden Stress im realen Leben zusammenhängen. Bisher war es kaum möglich, individuelle Reaktionen auf Stress vorauszusagen, was vor allem daran liegt, dass sich chronischer Stress in Laborexperimenten nur ungenügend simulieren lässt, d. h., Teststress reicht nicht annähernd an die Dauer und Intensität von langanhaltendem Arbeits- und Alltagsstress heran.

Die ForscherInnen haben daher bei einer Gruppe von Medizinstudenten fMRI- und Pupillometriedaten während einer emotionalen Konfliktaufgabe erhoben, bevor sie ein stressiges Praktikum in der Notaufnahme absolvierten, das als Risikofaktor für Angst und Depression bekannt ist. Dabei zeigte sich, dass die Konfliktreaktion und ihre funktionelle Kopplung mit der Amygdala mit stressbedingten Symptomveränderungen als Reaktion auf das Praktikum assoziiert war. Dabei wurde ein ähnlicher Zusammenhang für die Pupillendilatation gefunden, einem potentiellen Marker für die neuronale Reaktionsfähigkeit des noradrenergen Locus coeruleus. Je sensitiver dieses Erregungssystem reagiert, desto höher ist demnach die Wahrscheinlichkeit, dass die betreffende Person bei andauernden Stress Symptome von Angst- und Depressionsstörungen entwickelt.

Damit hat man nach Ansicht der AutorInnen ein objektives, neurobiologisches Maß gefunden, das die Stressresilienz eines Menschen voraussagen kann, also ob ein Mensch gut oder weniger gut mit Stress umgehen kann. Aus diesen Daten kann man dann unter Umständen Programme und Therapieformen entwickeln, die Stressresilienz diese Menschen zu erhöhen.

Literatur

Grueschow, Marcus, Stenz, Nico, Thörn, Hanna, Ehlert, Ulrike, Breckwoldt, Jan, Brodmann Maeder, Monika, Exadaktylos, Aristomenis K., Bingisser, Roland, Ruff, Christian C. & Kleim, Birgit (2021). Real-world stress resilience is associated with the responsivity of the locus coeruleus. Nature Communications, 12, dot:10.1038/s41467-021-22509-1.