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Die politische Macht der sozialen Medien

Das Internet enthält im Wesentlichen computervermittelte Kommunikationen und schafft durch Interaktivitäten zwischen AkteurInnen und Techniken aktive Rückmelde- und Eingriffsmöglichkeiten. Social Media bezeichnen dabei die zunehmende digitale Vernetzung über soziale Online-Netzwerke, Blogs oder Microblogs wie Facebook. Twitter, Emails, Wikis, Foren sowie Multimedia-Sharing-Plattformen wie YouTube oder TikTok, die das als interaktive Kommunikationsinstrumente das Social Web – auch als Web 2.0 bezeichnet – konstituieren. Das wichtigste Merkmal des Social Web besteht darin, dass die NutzerInnen durch selbst generierte Inhalte (user-generated content) aktiv in die Gestaltung der angebotenen Informationen eingreifen können, wodurch die Unterscheidung zwischen Produzierenden und NutzerInnen unscharf wird. Digital vernetzte Interaktionen zwischen Menschen und Interaktivitäten zwischen Menschen und Techniken stehen im Social Web im Mittelpunkt. Technologischer Fortschritt, wie ihn etwa internetfähige Smartphones oder Tablets verkörpern, beschleunigt die Verbreitung dieser Form digitaler Vernetzung. Das Social Web sowie das Internet sind dabei immer in einen spezifischen sozialen Kontext eingebettet, wobei Social Media dabei nur eine neue Form technikvermittelter und ortsunabhängiger Interaktion darstellen. Sie entsprechen in gewissem Sinne der etwa am Beginn des Buchdrucks entstandenen Möglichkeit, rasch über gedruckte Flugblätter Informationen zu verbreiten, wobei allerdings die partizipativen Möglichkeiten öußerst begrenzt waren.

So entstehen im Social Web Gemeinschaften, die nur durch die gemeinsame Medieninteraktion ermöglicht werden, und neue soziale Praktiken, wie die des Selbstinszenierens, der im Sich-selbst-Googlen liegenden permanenten Selbstkontrolle, aber auch in neuen Praktiken des Kritisierens, des Lesens, des Flirtens, des Verabredens, der Informationssammlung, der politischen Partizipation oder neue Kommunikationsroutinen, die durch technische Artefakte wie Smartphones oder Tablets über Zeit und Ort hinaus wirken. Neue Normen der Interaktion, wie der Umgang mit permanent eintreffenden Nachrichten oder ständige mobile Interaktionen mittels Smartphone müssen aber noch ausgehandelt werden. Social Media fungieren dabei als mögliche technische Träger für Gegenöffentlichkeiten, wie etwa WikiLeaks, und benötigen Schlüsselsituationen, um alternative gesellschaftliche Praktiken hervorzurufen. So können Widerstandskulturen mittels des Social Web auch Herrschaftsstrukturen fundamental in Frage stellen, und eine Art der Demokratie von unten entfalten. So können Social Media mit ihren interaktiven und vernetzten Plattformen ein medial alternatives Werkzeug für Freiräume und Gegenöffentlichkeiten anbieten, das als sozio-technische Innovation Machtverhältnisse langfristig verändern kann.

Literatur

Mattausch, B. (2011). Social Web: Macht durch FreiRaum. FreiRäume, 1, 18-29.






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