Shinrin yoku – Waldbaden

Shinrin yoku, ursprünglich eine japanische Gepflogenheit, die das bewusste Verweilen im Wald bezeichnet, um sich zu erholen und seine Gesundheit zu stärken. Anfang der 1980er-Jahre prägte Japans oberster Forstchef diesen Begriff des Shinrin Yoku, wobei der japanische Begriff Yoku nicht nur baden, sondern auch heilen bedeutet. Doch nicht nur der Wald ist heilsam. Umweltpsychologen haben vier Kriterien ausgemacht, damit Natur den Menschen guttut: Die Umgebung muss weitläufig sein, zu den Bedürfnissen des Menschen passen, ihm einen ­Abstand zum Alltag bieten, und vor allem muss sie faszinieren.

Daraus hat sich eine Art Wellness-Trend für gesundheitsbewusste StadtbewohnerInnen entwickelt, wobei man sogar unter Anleitung eines speziellen Forest Bathing-Guide das Waldbaden ausüben kann, wobei es bereits eine Ausbildung zum Waldbademeister gibt, die es dem Betreffenden erlaubt, Menschen in ihrem Beziehungsaufbau mit der Natur kompetent zu unterstützen. Beim Waldbaden geht es vor allem darum, auf intensive Art und Weise mit dem Wald auf Tuchfühlung zu gehen.

Zwei Stunden Waldbaden pro Woche sind empfehlenswert, zumal man diese über die ganze Woche verteilen kann, um einen positiven Effekt zu erreichen. Man konnte in Studien die positive Wirkung auf die Gesundheit vor allem bei chronisch Kranken nachweisen, obwohl man nicht ausschließen kann, dass die Ergebnisse auch dadurch beeinflusst werden, dass glückliche und gesunde Menschen mehr Zeit in der Natur verbringen.

Waldbaden sollte man nicht verwechseln mit der Waldtherapie, die sich ähnlicher Methoden bedient, aber für Menschen mit Lungenkrankheiten, orthopädischen oder psychosomatischen Beschwerden ausgerichtet ist.


Ein Bericht über eine Waldbademeisterin klingt dann so: “Wer mit ihr unterwegs ist, erlebt Natur indes mit völlig anderen Augen. Spätestens nach einer Stunde ist es erreicht: nicht mehr denken, einfach da sein. Die Sonne bricht durch die Fichtenkronen, schickt ihre Strahlen durch den sanften Niesel­regen und zaubert grüne Lichttupfen auf das Moos unter den Füßen. Ein magischer Moment. Der Kopf ist leer, das Herz voll Glück, der Körper einfach ruhig. Die zerti­fizierte “Waldbademeisterin” lässt ­ihren Seminarteilnehmern Zeit. Nachdem sie zwei Stunden ins Wald­baden eingeführt hat, ist eines klar: “Man sollte viel öfter in den Wald gehen!” Sie lacht: “Das höre ich fast immer nach einem Waldbad.” Aber warum eigentlich “Baden” zwischen Bäumen? “Weil man mit ­allen Sinnen in den Wald eintaucht”, erklärt sie. Wer mit ihr unterwegs ist, riecht Moos, hört Tannenzapfen auf den Boden fallen, betastet glatte Buchenstämme, schmeckt Waldmeister und sieht Minifrösche durchs Laub hüpfen.”


Übrigens: Es sei daran erinnert, dass schon im Jahr 1810 Josef v. Eichendorff „Wer hat Dich, Du schöner Wald“ und im selben Jahr „O Thäler weit, o Höhen“ schrieb, also zwei Oden an den Wald, an seine Wirkung auf den Menschen und sein Gemüt. Die Wandervogelbewegung zum Ende des 19.Jahrhunderts griff die Waldbegeisterung erneut auf, man zog „Im Frühtau zu Berge“ und „Aus grauer Städte Mauern“ hinaus. Auch Sebastian Kneipp hat einen Spaziergang im Wald empfohlen, der schon nach schon wenigen Minuten etwas bewirkt: der Körper entspannt sich, der Blutdruck sinkt und die Laune steigt während und nach dem Spaziergang.


Joseph Freiherr von Eichendorff

Der Jäger Abschied

Wer hat dich, du schöner Wald,
Aufgebaut so hoch da droben?
Wohl den Meister will ich loben,
So lang noch mein Stimm erschallt.
Lebe wohl,
Lebe wohl, du schöner Wald!

Tief die Welt verworren schallt,
Oben einsam Rehe grasen,
Und wir ziehen fort und blasen,
Daß es tausendfach verhallt:
Lebe wohl,
Lebe wohl, du schöner Wald!

Banner, der so kühle wallt!
Unter deinen grünen Wogen
Hast du treu uns auferzogen,
Frommer Sagen Aufenthalt!
Lebe wohl,
Lebe wohl, du schöner Wald!

Was wir still gelobt im Wald,
Wollens draußen ehrlich halten,
Ewig bleiben treu die Alten:
Deutsch Panier, das rauschend wallt,
Lebe wohl,
Schirm dich Gott, du schöner Wald!


Quelle: https://gutenberg.spiegel.de/buch/gedichte-9611/64 (19-09-26)

 



Ein Gedanke zu “Shinrin yoku – Waldbaden

  1. In Japan ist das “Shinrin-yoku”, also das “Baden im Wald”, gar Teil der staatlichen Gesundheitsversorgung, “Waldmedizin” ist seit 2012 ein eigener Forschungszweig an japanischen Universitäten. Hier wird auch erforscht, welche Faktoren genau für die positiven gesundheitlichen Effekte sorgen. So ist noch unklar, ob es etwa an der Luft des Waldes liegt oder an der speziellen Vegetation. Quelle: Der Standard

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