Shinrin yoku – Waldbaden

In den Wäldern kehren wir zur Vernunft und zum Glauben zurück.
Ralph Waldo Emerson

Shinrin yoku, ursprünglich eine japanische Gepflogenheit, die das bewusste Verweilen im Wald bezeichnet, um sich zu erholen und seine Gesundheit zu stärken. Anfang der 1980er-Jahre prägte Japans oberster Forstchef diesen Begriff des Shinrin Yoku, wobei der japanische Begriff Yoku nicht nur baden, sondern auch heilen bedeutet. Doch nicht nur der Wald ist heilsam. Umweltpsychologen haben vier Kriterien ausgemacht, damit Natur den Menschen guttut: Die Umgebung muss weitläufig sein, zu den Bedürfnissen des Menschen passen, ihm einen ­Abstand zum Alltag bieten, und vor allem muss sie faszinieren.

Daraus hat sich eine Art Wellness-Trend für gesundheitsbewusste StadtbewohnerInnen entwickelt, wobei man sogar unter Anleitung eines speziellen Forest Bathing-Guide das Waldbaden ausüben kann, wobei es bereits eine Ausbildung zum Waldbademeister gibt, die es dem Betreffenden erlaubt, Menschen in ihrem Beziehungsaufbau mit der Natur kompetent zu unterstützen. Beim Waldbaden geht es vor allem darum, auf intensive Art und Weise mit dem Wald auf Tuchfühlung zu gehen.

Zwei Stunden Waldbaden pro Woche sind empfehlenswert, zumal man diese über die ganze Woche verteilen kann, um einen positiven Effekt zu erreichen. Man konnte in Studien die positive Wirkung auf die Gesundheit vor allem bei chronisch Kranken nachweisen, obwohl man nicht ausschließen kann, dass die Ergebnisse auch dadurch beeinflusst werden, dass glückliche und gesunde Menschen mehr Zeit in der Natur verbringen.

Nach einer Pressemeldung des österreichischen Bundesforschungszentrums für Wald muss man noch nicht einmal im Wald sein, um eine Wirkung zu erkennen, denn schon die Vorfreude, in den Wald zu gehen, wirkt motivierend oder entschleunigend, und hat wie kurze Waldbesuche schon einen Effekt. Das Hängen von Bildern vom Wald etwa in Krankenhäusern kann sich positiv auf die Gesundung der PatientInnen auswirken, was ebenso hilfreich sein kann wie der Ausblick vom Krankenzimmer auf einen Wald oder einen Park. Entschleunigung, Ruhe, gute Luft und positive Erinnerungen an die eigene Kindheit machen einen Waldbesuch für manche Menschen zu einem effektiven Kurzurlaub vom hektischen Alltag. Aber nicht jeder Wald ist für diese Wirkungen gleich gut geeignet, denn lichtere Wälder mit Freiflächen und Bächen wirken besser als ein dunklenr Wald, in dem möglicherweise Urängste des Menschen hochkommen können.

Waldbaden sollte man nicht verwechseln mit der Waldtherapie, die sich ähnlicher Methoden bedient, aber für Menschen mit Lungenkrankheiten, orthopädischen oder psychosomatischen Beschwerden ausgerichtet ist.


Ein Bericht über eine Waldbademeisterin klingt dann so: „Wer mit ihr unterwegs ist, erlebt Natur indes mit völlig anderen Augen. Spätestens nach einer Stunde ist es erreicht: nicht mehr denken, einfach da sein. Die Sonne bricht durch die Fichtenkronen, schickt ihre Strahlen durch den sanften Niesel­regen und zaubert grüne Lichttupfen auf das Moos unter den Füßen. Ein magischer Moment. Der Kopf ist leer, das Herz voll Glück, der Körper einfach ruhig. Die zerti­fizierte „Waldbademeisterin“ lässt ­ihren Seminarteilnehmern Zeit. Nachdem sie zwei Stunden ins Wald­baden eingeführt hat, ist eines klar: „Man sollte viel öfter in den Wald gehen!“ Sie lacht: „Das höre ich fast immer nach einem Waldbad.“ Aber warum eigentlich „Baden“ zwischen Bäumen? „Weil man mit ­allen Sinnen in den Wald eintaucht“, erklärt sie. Wer mit ihr unterwegs ist, riecht Moos, hört Tannenzapfen auf den Boden fallen, betastet glatte Buchenstämme, schmeckt Waldmeister und sieht Minifrösche durchs Laub hüpfen.“


Übrigens: Es sei daran erinnert, dass schon im Jahr 1810 Josef v. Eichendorff „Wer hat Dich, Du schöner Wald“ und im selben Jahr „O Thäler weit, o Höhen“ schrieb, also zwei Oden an den Wald, an seine Wirkung auf den Menschen und sein Gemüt. Die Wandervogelbewegung zum Ende des 19.Jahrhunderts griff die Waldbegeisterung erneut auf, man zog „Im Frühtau zu Berge“ und „Aus grauer Städte Mauern“ hinaus. Auch Sebastian Kneipp hat einen Spaziergang im Wald empfohlen, der schon nach schon wenigen Minuten etwas bewirkt: der Körper entspannt sich, der Blutdruck sinkt und die Laune steigt während und nach dem Spaziergang.

Waldbaden


Joseph Freiherr von Eichendorff

Der Jäger Abschied

Wer hat dich, du schöner Wald,
Aufgebaut so hoch da droben?
Wohl den Meister will ich loben,
So lang noch mein Stimm erschallt.
Lebe wohl,
Lebe wohl, du schöner Wald!

Tief die Welt verworren schallt,
Oben einsam Rehe grasen,
Und wir ziehen fort und blasen,
Daß es tausendfach verhallt:
Lebe wohl,
Lebe wohl, du schöner Wald!

Banner, der so kühle wallt!
Unter deinen grünen Wogen
Hast du treu uns auferzogen,
Frommer Sagen Aufenthalt!
Lebe wohl,
Lebe wohl, du schöner Wald!

Was wir still gelobt im Wald,
Wollens draußen ehrlich halten,
Ewig bleiben treu die Alten:
Deutsch Panier, das rauschend wallt,
Lebe wohl,
Schirm dich Gott, du schöner Wald!


Quelle: https://gutenberg.spiegel.de/buch/gedichte-9611/64 (19-09-26)


Joseph Freiherr von Eichendorff

Abschied

O Täler weit, o Höhen,
O schöner, grüner Wald,
Du meiner Lust und Wehen
Andächt’ger Aufenthalt!
Da draußen, stets betrogen,
Saust die geschäft’ge Welt,
Schlag noch einmal die Bogen
Um mich, du grünes Zelt!

Wenn es beginnt zu tagen,
Die Erde dampft und blinkt,
Die Vögel lustig schlagen,
Daß dir dein Herz erklingt:
Da mag vergehn, verwehen
Das trübe Erdenleid,
Da sollst du auferstehen
In junger Herrlichkeit!

Da steht im Wald geschrieben
Ein stilles, ernstes Wort
Von rechtem Tun und Lieben,
Und was des Menschen Hort.
Ich habe treu gelesen
Die Worte, schlicht und wahr,
Und durch mein ganzes Wesen
Wards unaussprechlich klar.

Bald werd ich dich verlassen,
Fremd in der Fremde gehn,
Auf buntbewegten Gassen
Des Lebens Schauspiel sehn;
Und mitten in dem Leben
Wird deines Ernsts Gewalt
Mich Einsamen erheben,
So wird mein Herz nicht alt.


Das romantische Gedicht „Abschied” von Joseph von Eichendorff wurde um 1800 verfasst und beschreibt den Abschied eines lyrischen Ichs vom Wald. Das lyrische Ich beschreibt seine Verbundenheit gegenüber der Natur und spricht die Schönheit und Kraft an, gleichzeitig aber auch die Hektik und Oberflächlichkeit, die das Stadtleben widerspiegelt, und seine Abneigung ihm gegenüber.


Quelle: https://lyrik.antikoerperchen.de/joseph-von-eichendorff-abschied,textbearbeitung,232.html (17-11-17)


 

2 Gedanken zu „Shinrin yoku – Waldbaden“

  1. In Japan ist das „Shinrin-yoku“, also das „Baden im Wald“, gar Teil der staatlichen Gesundheitsversorgung, „Waldmedizin“ ist seit 2012 ein eigener Forschungszweig an japanischen Universitäten. Hier wird auch erforscht, welche Faktoren genau für die positiven gesundheitlichen Effekte sorgen. So ist noch unklar, ob es etwa an der Luft des Waldes liegt oder an der speziellen Vegetation. Quelle: Der Standard

  2. In einem Newsletter fanden sich konkrete Anregungen, wie man Waldbaden angehen sollte! Dort heißt es unter anderem: Lassen Sie sich auf den Wald ein. Halten Sie Ihre Sinne offen, denn der Wald bietet viel Abwechslung fürs Auge (Bäume, Licht, Boden). Riechen Sie den Wald (Holz, Erde, Laub), atmen Sie ihn (die kühle, saubere aromatische Luft) und spüren Sie ihn auch, beispielsweise mit den Händen und Füßen (barfuß!) Blätter, Rinde und Moos. Schalten Sie das Handy aus, dafür ist später noch genug Zeit. Wählen Sie ein Waldstück möglichst ohne Zivilisationsgeräusche. Kein Verkehrslärm, keine Holzfäller- oder Baumaschinen. Falls Sie sich allein im Wald unwohl fühlen, wählen Sie anfangs einen Zeitpunkt, an dem regelmäßig Spaziergänger unterwegs sind, so wie in meiner Nachbarschaft am Sonntagvormittag. Nehmen Sie sich Zeit. Ständig auf die Uhr zu schauen, macht die spezielle Atmosphäre zunichte. Legen Sie Pausen ein, wenn Sie dazu Lust haben. Wenn nicht, würde ich es üben.. Stehenbleiben, Verharren als zu erlernende Qualität: Auch das ist eine veränderte Denkweise, die uns guttun kann. Schlendern ist ausdrücklich erwünscht. Natürlich ist Joggen im Wald toll. Aber es geht auch anders. Lösen Sie sich innerlich von Terminen und Zwängen, genießen Sie im Wald einfach das Hier und Jetzt. Das ist das Ziel.

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